Die Stadt kann 850 iPads an die Schulen verteilen – Unbürokratisches Handeln führt zu Zeitgewinn

Weinheim. Für etliche Schülerinnen und Schüler in Weinheim werden sich die ersten Wochen nach den großen Ferien wie Weihnachten anfühlen. Nur ohne Baum und mit einem Gerät, dass sich die Familie wahrscheinlich nicht leisten könnte: Einem iPad. 850 Stück solcher Tablets verteilt die Stadt Weinheim im Moment an ihre Schulen; die Kartons mit den Endgeräten stapeln sich im Amt für Bildung und Sport sowie an den beiden großen Weinheimer Schulen. Natürlich bekommen die Schüler die Geräte nicht geschenkt, sondern als digitales Lerngerät von ihrer Schule ausgeliehen. Die Stadt konnte als eine der ersten im Land jetzt die Lieferung entgegennehmen und weiter verteilen. Die Mittel hierfür stammen aus dem Sofort-Ausstattungsprogramm Digitale Endgeräte des Bundes. Der Gemeinderat hat vor der Sommerpause den Weg für die Anschaffung und damit auch für unbürokratisches Handeln des Fachamtes freigemacht.

Denn das war erforderlich, um das Programm vor Ort schnell umzusetzen. Denn alleine in Baden-Württemberg, wo das Land den Geldsegen aus Berlin nochmal von 65 Millionen Euro auf 130 Millionen Euro aufgestockt hat, werden auf einen Schlag 300 000 digitale Endgeräte gebraucht. So viele sind gar nicht vorrätig. Da war es von Vorteil, dass die Stadt Weinheim seit zwei Jahren eine Fachstelle für die Digitalisierung an ihren Schulen geschaffen hat. Markus Zitron hat von dem Programm erfahren und die Tücken gleich erkannt. Gemeinsam mit Amtsleiterin Carmen Harmand fand er heraus, dass das Sofortausstattungsprogramm erleichterte Vergabeverfahren zulässt. Also holte der IT-Bildungsexperte Angebote ein. So konnte er schnell und verbindlich beim ortsansässigen Media-Markt bestellen. So können die 850 Geräte schon während der Ferien ausgeliefert und teilweise auch schon eingerichtet werden. Gleichzeitig ist damit auch eine lokale Wirtschaftsförderung gelungen.

Denn klar ist auch: Die iPads sollen natürlich ganz gezielt für schulische Zwecke genutzt werden, entsprechende Lern- und Konferenz-Software ist also vorinstalliert. Auch die Zielgruppe ist definiert: Es sind jene Schülerinnen und Schüler, die beim Lockdown im Frühjahr benachteiligt waren, weil ihnen zuhause keine ausreichende IT-Versorgung zur Verfügung steht. Diese Gruppe war abgehängt und würde es bei einer erneuten Schließung einer Schule oder auch nur ihrer Klasse oder Lerngruppe wieder sein; oft stammen solche Jugendlichen ohnehin aus eher bildungsfernen Familien, deren Kinder sich einen chancengleichen Bildungszugang erst noch erarbeiten müssen. Jedes iPad ist also ein Beitrag zur chancengleichen Bildung.

Etwa 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg werden vom Kultusministerium dieser Gruppe zugerechnet. Eine Zahl, die an der Basis durchaus nachvollzogen werden kann. Das Weinheimer Bildungsamt fragte jede einzelne Schule ab, wie viele Schüler einen Bedarf haben. Auch hier kam eine Zahl von rund 20 Prozent heraus: Rund 800 Jugendliche von den rund 4000, die eine Weinheimer Schule in Trägerschaft der Stadt besuchen. Die Lehrkräfte und Schulleitungen kennen sie persönlich und wissen ihre Lage einzuschätzen.

Die Tablets sollen in erster Linie im Unterricht eingesetzt werden, damit die Jugendlichen mit dem Umgang vertraut sind, falls die Pandemie einmal wieder „Home-Schooling“ erforderlich machen sollte. Dann werden die Geräte für zuhause ausgeliehen, damit niemand daheim alleine gelassen wird.