Am Montag (21.09.2020) wird sich der Kreistag mit dem im Juli 2020 als Abschlussbericht vorgelegten neuen Radverkehrskonzept beschäftigten. Das Konzept soll zukünftig als Entscheidungsgrundlage für die Radverkehrsplanung im Landkreis dienen und den kreisangehörigen Kommunen sowie Hessen Mobil zur Verfügung gestellt werden.

Für den tatsächlichen Radwegebau zuständig sind die „Baulastträger“. Im konkreten Fall von Viernheim sind dies Hessen Mobil und die Stadt Viernheim selbst, der Kreis Bergstraße ist im Zusammenhang mit den im Radverkehrskonzept genannten Maßnahmen kein Baulastträger. Allein für die geplante Radkomfortverbindung Weinheim-Viernheim-Mannheim hat der Landkreis der Stadt Viernheim auf freiwilliger Basis eine Übernahme von 15 % der Planungskosten zugesagt, das sind nach gegenwärtigem Stand 84.000 €, sofern es auch zu einer Landesförderung der Planungskosten kommen sollte. Bürgermeister Matthias Baaß: „Diese Entscheidung des Kreistages in seiner Juni-Sitzung ist sehr erfreulich, die weiteren Planungsschritte der Stadt Viernheim werden erleichtert.“

Das Radverkehrskonzept enthält über den Radkomfortweg hinaus für den Bereich Viernheim folgende Überlegungen:

Eine 5 Kilometer lange asphaltierte Verbindung durch den Wald direkt nach Lampertheim, die Wegeführung entspricht der früher „Panzerstraße“ genannten Strecke. Grob schätzt das Konzept die Kosten auf eine knappe Million, bislang allerdings wird diese Maßnahme vom Hessen Forst abgelehnt, da dauerhaft Konflikte mit dem Forstbetrieb erwartet werden. Das Konzept sieht die Kostenverantwortung bei den Gemeinden Lampertheim und Viernheim, für Viernheim dürfte mindestens die Hälfte der Summe anfallen.

Im Vergleich dazu sehr konkret ist der Neubau eines Radweges entlang der L 3111 von und nach Hüttenfeld. Bisher wird dort der Radverkehr auf der Straße geführt. Baaß: „Eine Situation, die Radfahrer in keinster Weise zum Nutzen einlädt, auch mir ist das viel zu gefährlich“. Die Stadt Viernheim steht hier schon seit langem mit dem Land Hessen, vertreten durch Hessen Mobil, in Verbindung, um für eine Verbesserung zu sorgen. „Jetzt zeichnet sich dies tatsächlich für das Jahr 2022 ab, es wird einen getrennten Radweg geben“, so Baaß. Baulast- und Kostenträger ist Hessen-Mobil, hier werden die Kosten im Konzept auf mehr als eine Million Euro geschätzt, für eine Strecke von 3,5 km. Hessen-Mobil hofft, auf ein Planfeststellungsverfahren verzichten zu können, dafür läuft bereits das Vorverfahren.

Fortschritte gibt es auch in Richtung badische Landesgrenze. Hier hört ein zu schmaler Radweg bisher im Bereich der Siedlung „Ziegelhütte“ auf. Diese Verbindung soll bis zur Landesgrenze (Muckensturm) weitergeführt werden und dann auch auf badischer Seite seine Fortsetzung finden. Bürgermeister Matthias Baaß setzt sich für diese landesübergreifende Verbindung zusammen mit seinem Amtskollegen Michael Kessler (Heddesheim) schon lange ein, jetzt ist auf Wunsch von Hessen Mobil, die auch hier Baulastträger sind, mit der Stadt Viernheim eine Planungsvereinbarung abgeschlossen worden. Die Stadt Viernheim übernimmt ab dem nächsten Jahr die Planung dieses knapp 800m langen neuen Radweges bzw. die Planung des Verbreiterns des bestehenden Radweges (350m) gegen Kostenerstattung. Der gegenwärtige Zeitplan sieht eine Realisierung allerdings erst im Jahr 2024 vor. Das Konzept schätzt die Kosten auf ca. 600.000 €, die vom Land Hessen zu tragen sind. Im Frühjahr 2020 hatte Baaß Hessen-Mobil, den Rhein-Neckar-Kreis und die Gemeinde Heddesheim zu einer Video-Konferenz eingeladen, um das Vorhaben so abzustimmen, dass gleichzeitig auch auf badischer Seite die Planungen für die Fortsetzung der Verbindung anlaufen.

Mit geringerer Priorität listet das Konzept noch zwei weitere mögliche Maßnahmen auf: Das Asphaltieren der bisher quer durch den Viernheimer-/Käfertaler Wald führenden Verbindung in Richtung Wasserwerk Käfertal und dem neuen Mannheimer Stadtteil Franklin (Verlängerung „Am Sandhöfer Weg“). Die Kosten dafür werden auf grob 260.000 € geschätzt, auch hier gibt es bisher keine Zustimmung von Hessen Forst. Die Kosten müssten von der Stadt Viernheim getragen werden.

Dies trifft auch auf den Bau eines straßenbegleitenden Radwegs entlang des „Lorscher Wegs“ zu, ein 1 km langes Teilstück im Wald, welches zur L 3111 führt. Hier wird mit Kosten in Höhe von grob 300.000 € gerechnet.

Unterm Strich stellt der Bürgermeister fest: „Es tut sich was, bei den von Hessen Mobil zu finanzierenden Maßnahmen wird es aber noch etwas dauern. Für die von der Stadt Viernheim zu finanzierenden Wege sind noch keine Entscheidungen getroffen, zum überwiegenden Teil sind zunächst noch Gespräche mit Hessen Forst oder auch Lampertheim zuvor nötig. Der Kreis Bergstraße selbst wird keine der Maßnahme eigenständig finanzieren. Die Förderkonditionen sind so günstig wie noch nie.“