Die Regionale Jugendagentur „Job Central“ hilft Jugendlichen in den Beruf – Vernetzung in der Bildungsregion – Jubiläumsveranstaltung am 10. Oktober

Weinheim/Region. Erik macht derzeit eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer. Er erinnert sich noch gut an seine ersten Kontakte zu Job Central vor drei Jahren: „Ich hatte die Werkrealschule ohne Abschluss verlassen, war im AVdual gelandet und hatte keine Vorstellung, welchen Beruf ich ergreifen wollte. Schule fand ich nervig und auf Praktika hatte ich keinen Bock“. Auch der Jugendberufshelfer im AV dual erinnert sich noch gut an Erik: „Erik war von Anfang an ein ruhiger, aber vollständig motivationsloser und orientierungsloser Schüler. Berufsorientierende Maßnahmen, wie Beratungsgespräche, Praktika, Betriebsexkursionen etc. führten zunächst zu keinem Ergebnis. Immer wieder führten wir Gespräche über den weiteren Lebensweg und vereinbarten Zwischenziele für Schule und für Praktikumsbesuche.“

Erik ist heute froh und dankbar für die Geduld und die individuelle Begleitung durch den Jugendberufshelfer und sagt selbst: „Da hat jemand an mich geglaubt und hat mich nicht aufgegeben und irgendwann hat es Klick gemacht.“

„Entscheidend für eine positive Entwicklung sind neben der intensiven Beziehung und der Geduld der AV-Begleiter, wie die Jugendberufshelfer im AV dual heißen, immer wieder kleine Hilfen, die die Jugendlichen nicht unter Druck setzten, so dass sie etwas reifen und eine Entscheidung für eine Ausbildung treffen können. Hilfreich ist dabei auch die enge Kooperation mit den Schulen und mit Betrieben“, sagt Sabine Beckenbach, Fachstellenleiterin für das AVdual.

Erik, der angehende Maschinen- und Anlagenführer ist nur ein Erfolgsbeispiel. So gibt es viele in der Region: Jugendliche, die ihre Hoffnung auf Ausbildung (fast) schon aufgegeben haben und durch das individuelle Coaching bei der Regionalen Jugendagentur Job Central wieder Motivation und Perspektiven entwickeln.

Job Central mit Sitz in Weinheim gibt es seit 20 Jahren, daran wird am Donnerstag, 10. Oktober, auch in einer kleinen Feier im Hermannshof erinnert. Um 14 Uhr treffen sich Akteure der ersten Stunde, um die zwei Jahrzehnte Erfolgsgeschichte Revue passieren zu lassen.

„Wir verfolgen einen aktivierenden Ansatz“, erklärt Brigitte Weichert, die Fachstellenleiterin in der Jugendberufshilfe. Viele Jugendliche werden über Wochen, Monate, teils Jahre betreut, bis sie in der Berufswelt Fuß fassen – und somit eine eigenständige Lebensperspektive gefunden haben. „Job Central“ geht in die Schulen, unterstützt Jugendlichen ab der 8. Klasse, motiviert, berät, bietet Workshops an, forscht mit ihnen nach Interessen und Talenten, unterstützt die Berufswahl, hilft bei Bewerbungen, vermittelt Praktika – und ebnet den Weg in Richtung Ausbildung. „Wir helfen Jugendlichen, ihren Weg zu finden“, beschreibt Brigitte Weichert, „wir eröffnen neue Perspektiven und sind die Lotsen“.

Viele Jugendliche, mit denen „Job Central“ arbeitet, haben es nicht leicht. Es kommt vor, dass sie die einzigen in der Familie sind, die überhaupt einer Ausbildung oder Arbeit nachgehen.

Wer viel Unterstützung braucht, der wird von den „Job Central“-Profis individuell „gecoacht“. Die Mitarbeiter greifen auf eine umfangreiche, selbstrecherchierte Betriebsdatenbank zurück, um Kontakte zu Betrieben herzustellen. Pro Jahr sind es etwa 90 bis 120 junge Menschen, die den Weg in Ausbildung finden. Insgesamt nehmen rund 900 bis 1100 junge Menschen jährlich eine Dienstleistung in Anspruch.

Und das schon seit 20 Jahren. Gegründet wurde die Agentur, die Jugendlichen in Ausbildung und Beruf hilft, im Jahr 1999 mit Unterstützung der Freudenberg Stiftung. Träger der Einrichtung sind die Stadt Weinheim, der Stadtjugendring und die Freudenberg Stiftung, sowie die Nachbarkommunen Schriesheim, Heddesheim, Hirschberg, Gorxheimertal, Laudenbach und Hemsbach. Außerdem bestehen Kooperationen mit zahlreichen Schulen, Unternehmen und Organisationen der regionalen Wirtschaft, mit bürgerschaftlichen Paten-Initiativen wie dem Weinheimer Unterstützerkreis Berufsstart WUB, der Agentur für Arbeit, dem Rhein-Neckar-Kreis, Bildungsträgern, Sozialverbänden und der Metropolregion Rhein-Neckar.

„Alle Jugendlichen der Region sollen eine berufliche Perspektive entwickeln …und eine Hilfestellung zu deren Umsetzung erhalten“, so steht es in Paragraf 1 der Satzung.

Die Regionale Jugendagentur „Job Central“ ist damit ein wichtiges Glied der „Weinheimer Bildungskette“. Mit „Job Central“ wurde 1999 eine Basis gelegt, auf der in Weinheim heute unter anderem die Bildungsregion fußt. Auch die in Weinheim gegründete und bundesweit agierende Arbeitsgemeinschaft „Weinheimer Initiative“, die sich für eine Kommunale Koordinierung des Übergangs Schule-Beruf einsetzt profitiert von der örtlichen Entwicklung.

Auch dass die Stadt Weinheim Modellstandort für den Schulversuch „AVdual“ ist, der seit vielen Jahren erfolgreich am Berufsschulzentrum umgesetzt wird und wesentlich von der engen Kooperation zwischen Schule, Jugendberufshilfe, Betrieben profitiert, ist kein Zufall. Die Akteure sind sich einig: Wer in der Region Weinheim Probleme hat, nach dem Schulabschluss einen Anschluss zu finden, kann auf mehr Hilfe zählen als anderswo. 

Die Mitgliedskommunen von „Job Central“ und die regionale Wirtschaft sehen die zahlreichen Unterstützungsangebote am Übergang Schule-Beruf, die es in der Region gibt, angesichts des drohenden Fachkräftemangels inzwischen als Wirtschaftsfaktor an und als Beitrag zur Standortstärkung. So gibt es seit Jahren eine intensive Kooperation des „Weinheimer Bündnis Ausbildung“ mit „Job Central“.

Für die Entwicklung von „Job Central“ war es immer wichtig, Risiken einer gelingenden Bildungsbi0grafie zu erkennen und passgenaue Unterstützungsangebote zu entwickeln. Oder mit anderen Worten, „sich dort zu engagieren und (neue) Angebote zu entwickeln, wo dringende Bedarfe erkennbar sind, die nicht von anderen abgedeckt werden“, so Jürgen Ripplinger, Geschäftsführer von „Job Central“.

So wurden beispielsweise im letzten Jahr neben den vielfältigen und bewährten Angeboten an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sowie an der Beratungsstelle auch ergänzende aufsuchende und niederschwellige Bildungs-Angebote in den Projekten „Läuft?!“ und „Lern-Praxis-Werkstatt“ entwickelt und erprobt, Angebote für junge Menschen, die bisher aus den Systemen und Unterstützungsangeboten herausfallen.

Info: Regionale Jugendagentur „Job Central“, Bahnhofstraße 19, 69469 Weinheim, Beratungsstelle: Telefon 06201/18 47 62, Leitung und Verwaltung: Telefon 06201/37 92 98, www.jobcentral.de; www.facebook.com/JobCentral