Veranstaltung am Kreiskrankenhaus Bergstraße benennt Symptome, erklärt Therapien und die Bedeutung des Standorts für schnelle und gezielte Hilfe

KREIS BERGSTRASSE | November 2019 | Was tun bei einem Schlaganfall oder bei einem Schlaganfallverdacht? Sofort die 112 wählen und den Rettungsdienst holen! Das war eine der Kernbotschaften einer Veranstaltung am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim zum Thema. Spezialisten erklärten in dem zum Heidelberger Universitätsklinikum gehörenden Haus zahlreichen Zuhörern Symptome und Behandlungen. Die Ärzte aus Heppenheim und Heidelberg eröffneten dabei interessante Einblicke in die moderne Schlaganfallmedizin.

Mehr als 800 Menschen sind im Vorjahr mit einem Schlaganfall oder Schlaganfallverdacht ins Kreiskrankenhaus gebracht worden. Die häufigste Ursache eines Schlaganfalls, auch Hirnschlag genannt, ist ein Gefäßverschluss im Gehirn. Die Symptome können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, oft besteht jedoch Lebensgefahr oder die Gefahr bleibender Schäden. Schnelle und richtige Hilfe ist in dieser Situation daher von allergrößter Wichtigkeit. Insbesondere kurze Wege und ein Expertennetzwerk für schnelle Entscheidungen sind unabdingbar, um für den betroffenen Patienten die optimale Versorgung zu gewährleisten. Die Region Bergstraße ist, dank der in den letzten Jahren geschaffenen Infrastruktur, hierfür bestens aufgestellt: Am Kreiskrankenhaus gibt es eine Stroke Unit, eine Spezialstation zur Behandlung von Schlaganfallpatienten. Die Klinik ist mittels Datenleitungen und der sogenannten Teleneurologie rund um die Uhr mit dem Heidelberger Universitätsklinikum verbunden, und sie ist Partnerklinik im 25 Kliniken zählenden Schlaganfallkonsortium Rhein-Neckar (FAST). Der Großraum Bergstraße ist sogar Modellregion in der Schulung der Rettungsdienstmitarbeiter, wenn es um das Erkennen von Schlaganfällen und die Versorgung der Patienten auf dem Weg ins Krankenhaus geht.

Ein Schlaganfall kündigt sich nicht an, er tritt plötzlich auf. Nicht immer sind die Symptome bleibend, sie können in ihrer Ausprägung schwanken oder sich, ähnlich schnell wie sie aufgetreten sind, zurückentwickeln. Halbseitige Lähmungen, hängende Mundwinkel, Sprechstörungen, Störungen im Verstehen oder Probleme beim Sehen sind typische Zeichen, die Betroffene und deren Umfeld sofort alarmieren müssen. Zur Schnellerkennung eines Schlaganfalls ist der sogenannte FAST-Test hilfreich. Die vier Buchstaben kommen aus dem Englischen, stehen für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit). Mit diesem Test können auch Laien untersuchen, ob die Mundwinkel symmetrisch sind, der Betroffene beide Arme auf gleicher Höhe halten kann und ob die Aussprache deutlich ist. Zudem erinnert das „T“ an den Faktor Zeit, also an die sofortige Auslösung des Notrufs über die 112.

Und was kann die Medizin in einer Fachklinik bei der Diagnose Schlaganfall tun? Es gibt die Möglichkeit mit einem Medikament das Blutgerinnsel im Kopf aufzulösen (Lysetherapie). Diese Behandlung wird am Kreiskrankenhaus sehr häufig durchgeführt. Bei manchen Patienten ist aber auch ein Eingriff notwendig. Dabei können Neuroradiologen mit einem sehr kleinen Katheter das Gerinnsel aus den Gefäßen des Gehirns entfernen (Thrombektomie). Der Patient wird dann in Heppenheim vorbereitet, anschließend mit Rettungsfahrzeugen sofort an die Uniklink Heidelberg gefahren und kann dort umgehend weiterbehandelt werden. Um diese Behandlung den Patienten aus der Bergstraßen-Region anbieten zu können, sind die Spezialisten am Kreiskrankenhaus in ständigem Kontakt mit den Heidelberger Kollegen.

Allerdings gilt bei beiden Therapieansätzen: Der Zeitkorridor ist eng, in dem das Entfernen des Gerinnsels möglich ist. Und mit jeder Minute, die bis dahin vergeht, wird das Gehirn mehr und mehr geschädigt. Bei der Schlaganfallveranstaltung am Kreiskrankenhaus nannten die Mediziner Zahlen: Pro Minute sterben in etwa 1,9 Millionen Nervenzellen, 14 Millionen Synapsen und 12 Kilometer Nervenfasern ab.

Es war ein sehr informativer Nachmittag und viele Themen rund um die Erkrankung Schlaganfall wurden besprochen. Dabei wurde auch gezeigt, dass Schlaganfallbehandlungen auch bei Menschen im Alter von achtzig Jahren und darüber sehr sinnvoll sind. Auch der Hintergrund von Operationen an der Halsschlagader, welche in Heppenheim regelmäßig durchgeführt werden, wurde erläutert und es wurde darüber gesprochen, in welch enger Beziehung Herz und Hirn im Zusammenhang mit der Diagnose eines Schlaganfällen stehen.

 

HINTERGRUND

Die Schlaganfallbehandlung ist interdisziplinär und am Kreiskrankenhaus Bergstraße mit der Stroke Unit, der engen Kooperation mit dem Heidelberger Universitätsklinikum und der Arbeit im FAST-Netzwerk auf sehr hohem Niveau angesiedelt. Namentlich referierten zum Thema bei der Veranstaltung:

- PD Dr. Wolfgang Auch-Schwelk, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Chefarzt Innere Medizin II, Kreiskrankenhaus Bergstraße

- PD Dr. Christoph Gumbinger, Facharzt für Neurologie, Oberarzt, Neurologische Klinik der Universität Heidelberg

- Dorith Hangarter, Fachärztin für Neurologie, Oberärztin, Neurologische Kooperationseinheit am Kreiskrankenhaus Bergstraße

- Margit Millàn, Fachärztin für Neurologie, Oberärztin, Neurologische Klinik der Universität Heidelberg und Neurologische Kooperationseinheit am Kreiskrankenhaus Bergstraße

- Dr. Andreas Ofenloch, Facharzt für Chirurgie und Facharzt für Gefäßchirurgie, stellvertretender Chefarzt Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie, Kreiskrankenhaus Bergstraße

- Professor Dr. Timolaos Rizos, Facharzt für Neurologie, Oberarzt, Neurologische Klinik der Universität Heidelberg und Neurologische Kooperationseinheit am Kreiskrankenhaus Bergstraße.

 

FOTO: SEITE AN SEITE arbeiten Spezialisten bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten zusammen. Eine Veranstaltung am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim hat gab Einblicke in die moderne Schlaganfallmedizin. Das Foto zeigt mehrere der Referenten (von links): PD Dr. Christoph Gumbinger, Margit Millàn, Professor Dr. Timolaos Rizos, PD Dr. Wolfgang Auch-Schwelk und Dorith Hangarter. Foto: Kreiskrankenhaus Bergstraße/Thomas J. Zelinger