Schuljahr wird ordentlich zu Ende gebracht
Der Odenwaldschule e.V. hat beim Amtsgericht Darmstadt wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Wie die Vorsitzende Christiane Streitz und der Geschäftsführer Marcus Halfen-Kieper heute mitteilten, sei es nicht gelungen, den Nachweis der gesicherten Finanzierung für die nächsten Schuljahre in der von den Behörden verlangten Form zu erbringen.
Zuvor waren die Eltern, die Mitarbeiterschaft und die Behörden über den Schritt unterrichtet worden. Streitz und Halfen-Kieper kündigten an, das aktuelle Schuljahr werde in jedem Falle klar und geordnet zu Ende gebracht.

Mit Blick auf die Schülerinnen und Schüler und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei es zwingend geboten, „der traurigen Wahrheit ins Auge zu schauen und sie klar auszusprechen. Und die Wahrheit ist, dass der Trägerverein der Odenwaldschule zwar nicht überschuldet, aber zahlungsunfähig ist.“ Die zuständigen Behörden würden Eltern und Kindern individuelle Beratung bei der Entscheidung für die richtige zukünftige Schule anbieten.

Streitz und Halfen-Kieper bedauerten sehr, dass es trotz aller Bemühungen nicht gelungen sei, die Mittel, die in den letzten Wochen – zum größeren Teil in Form von Darlehen und teils als Spenden – von Eltern, Mitarbeitern und ehemalige Schülern und Menschen von außerhalb zur Verfügung gestellt worden seien, nutzen zu können, um den Schulbetrieb dauerhaft sichern zu können.

Ein Problem war, dass es – zumal in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit – nur schwer möglich gewesen sei alle Darlehenszusagen gesichert nachzuweisen. Als gravierender jedoch habe sich herausgestellt, dass als Folge der Diskussionen der letzten Monate die Schülerzahlen durch Abmeldungen weiter nach unten gegangen sind, so dass für das neue Schuljahr lediglich noch mit ca. 80 Schülerinnen und Schülern zu rechnen gewesen wäre: „Damit sind weitere Einnahmen weggebrochen, die im Wirtschaftsplan vorgesehen waren.“ Auch ein drastischer Rückgang der Gelder aus der Ersatzschulfinanzierung, die bereits schon einmal reduziert wurden, wäre damit verbunden gewesen. Zumal es in der aktuellen Lage nicht möglich war, mit den durchaus vorhandenen Interessenten Neuanmeldungen vornehmen zu können.
Ausdrücklich dankten Christiane Streitz und Marcus Halfen-Kieper den vielen Menschen, die bis zuletzt für den Erhalt der Odenwaldschule gekämpft hätten, sowie dem Beigeordneten des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf, der in den schwierigen letzten Monaten mit viel Rat und Tat zur Seite gestanden habe.

Der Insolvenzantrag ist letztlich die Folge aus dem langjährigen Unvermögen, Wegsehen, Gewährenlassen, Nicht-Eingreifen und Zu-Spät-Reagieren. „Jenseits des organisatorischen Versagens und der administrativen und finanziellen Fehler der Vergangenheit wurden junge Menschen für ihr Leben geschädigt, wurden sie zu Opfern unvorstellbarer sexualisierter Gewalt. Zu diesem menschlichen Bankrott kommen nun die finanziellen Folgen.“