Seit einigen Monaten wird die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) und im Rahmen dessen auch die Mindestausbildungsvergütung heiß diskutiert. Die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat einen ersten Entwurf vorgelegt. Immerhin, nach 12 Monaten Amtszeit. Leider haben nur wenige Forderungen des DGB den Weg in diesen ersten Entwurf gefunden.

Geht es nach den Plänen der Bundesregierung sollen Azubis ab 2020 eine Mindestvergütung von 515 Euro erhalten – die Vergütung steigt dabei pro Ausbildungsjahr.

„Wir brauchen eine Mindestausbildungsvergütung, mit der die Auszubildenden auf eigenen Beinen stehen können“ sagt Philipp Ofenloch (GEW), Vorstandsmitglied der DGB Jugend Bergstraße, und zeigt sich enttäuscht. „Es kann nicht sein, dass sich Azubis bei einer Wochenausbildungszeit von im Schnitt 40 Stunden, keine eigene Bleibe von ihrer Ausbildungsvergütung leisten können.“

Ein Mindeststandard an Bezahlung wird keine guten Tarifverträge ersetzen – schafft aber ein Mindestmaß an Absicherung. Der DGB forderte schon im abgelaufenen Kalenderjahr eine Vergütung von 635 Euro ab dem ersten Ausbildungsjahr (Steigerung pro Ausbildungsjahr bis 768 Euro).

Sebastian Cramer (IG BCE), ebenfalls Mitglied im Vorstand der DGB Jugend Bergstraße, betont außerdem die Wichtigkeit, weiterer Erneuerungen im BBiG: „Leider hat es Frau Karliczek versäumt, die dualen Studiengänge mit in das BBiG aufzunehmen.“ Dies war zentrale Forderung des DGBs, genauso wie die Aufnahme der schulischen Ausbildungsberufe (meist soziale Berufsbilder). Gerade in nicht Tarifgebundenen Unternehmen haben duale Studenten keine gesetzliche Grundlage für Arbeitszeit, Urlaub und Vergütung. „Im Rahmen der Digitalisierung und der zunehmenden Akademisierung, die mit dieser aktuell einhergeht, werden duale Studiengänge immer häufiger. Hier brauchen wir endlich feste Leitplanken!“ so Cramer.

Des Weiteren haben die Vorstandsmitglieder die Umsetzung der Europäischen Behindertenrechtskonvention aus dem Jahr 2009 gefordert. Die duale Ausbildung muss inklusiv werden. Dazu gehören auch inklusive Berufsschulen und barrierefreie Zugänge zu den dualen Ausbildungsberufen.

Die DGB Jugend Bergstraße fordert die Bundesregierung dazu auf, die Chance zu nutzen und dieses von Erfolg gekrönte Gesetz wieder auf die Höhe der Zeit zu bringen. „Das System der dualen Ausbildung wird in der ganzen Welt geschätzt. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung und Industrie 4.0 werden wir diese einmalige Verknüpfung aus Theorie und Praxis noch mehr benötigen, damit unsere ausgebildeten Fachkräfte auch weiterhin innovative Ideen entwickeln können und nicht zu billigen Knöpfchendrückern verkommen!“ so Cramer abschließend.