[DK] Weinheim. Das Herzen des Feuerwehrzentrums der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim ist die Einsatzzentrale. Diese wurde jetzt nach rund 13 Jahren von Grund auf modernisiert und auch für den kommenden Digitalfunk umgerüstet. Knapp 160.000 Euro investiert die Stadt Weinheim in die Einführung des Digitalfunks für die Weinheimer Feuerwehr und die Ertüchtigung der Einsatzzentrale.

Die Einsatzzentrale der Feuerwehr Weinheim muss im Jahr zwischen 600 und 800 Einsätze abarbeiten bzw. betreuen. Diese wurde jetzt im Zuge der Umstellung zum Digitalfunk von Grund auf erneuert. Zwei ergonomische Arbeitsplätze wurden installiert und mit modernster Technik ausgestattet. So können die Arbeitsplätze in der Höhe verstellt werden um sich an den jeweiligen Nutzer anzupassen. Eine Klimaanlage in Zentrale und im angrenzendem Stabsraum sorgt zukünftig für ein gleichbleibende Raumtemperatur.

Auch die Haustechnik von 2006 des Feuerwehrzentrums wurde besser in der Zentrale integriert und ertüchtigt. So können über einen Touchbildschirm die Beleuchtungen, Tore und Absauganlagen der Fahrzeughalle gesteuert werden. Auf vier Bildschirmen pro Arbeitsplatz kann der Zentralist die Einsätze erfassen und eintragen. Dabei helfen ihm verschiedene Programme, wie zum Beispiel ein Programme den Status von Einsatzfahrzeugen bei Einsätze dokumentiert und auswertet. Genauso werden die beiden Einsatzbildschirme von Fahrzeughalle und Foyer durch die Zentrale mit Daten versorgt. Dies sorgen dafür, dass die ehrenamtliche Einsatzkraft bereits bei Ankunft im Feuerwehrzentrum über die Art des Einsatzes und die angeforderten Fahrzeuge informiert werden und sich in den Umkleiden dementsprechend ausrüsten können.

Des Weiteren wird es für die Feuerwehr zukünftig einfacher werden zu den Einsatzzielen in die Innenstadt oder Weststadt zu gelangen. Im Zuge der Bauarbeiten der Großbaustelle Mannheimer Straße wird es für die Feuerwehr möglich sein sogenannte Fahrstraßen über die Einsatzzentrale steuern zu können. Damit werden nach einer vorgegeben Zeit die Ampeln die auf dem Weg zu Einsatzstelle installiert sind automatisch auf Grün geschalten und der oft stockende Verkehr kann somit abfließen und der Feuerwehr Platz bei der Einsatzfahrt machen.

Seit 2006 soll der Digitalfunk Flächendeckend den Analogen Funk von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten in Baden-Württemberg ablösen. Mittlerweile ist Baden-Württemberg auf einer der letzten Ränge bei der Umstellung angekommen. Andere Bundesländer wie die benachbarten Länder Hessen und Rheinland-Pfalz haben schon längst umgestellt. Da Weinheim als Anreinerstadt direkt an Viernheim und Birkenau (jeweils Hessen) grenzt, muss bei Einsätzen im Zuge der sogenannten Überlandhilfe eine Kommunikation zwingend erforderlich sein. Da die hessischen Feuerwehren schon seit mehreren Jahren auf Digitalfunk umgestellt haben. Auch die unmittelbar am Feuerwehrzentrum grenzende Werkfeuerwehr der Firma Freudenberg hat bereits auf die neue Technik umgestellt.

Mittlerweile sind die Digitalen Funkmasten vom Land Baden-Württemberg flächendeckend gestellt und eingerichtet worden. Auch die Integrierte Leitstelle in Ladenburg, die für den Rhein-Neckar-Kreis zuständig ist, wurde bereits mit den Digitalen Endgeräten ausgestattet. In Weinheim müssen für die Umstellung 38 Fahrzeuge und sechs Feuerwehrhäuser umgerüstet werden, dabei hat das Land einen Zuschuss von knapp 25.000 Euro zugesichert. Die Umstellung soll über eine Fachfirma zentral bewerkstelligt werden. Bis Mitte 2020 sollen alle Fahrzeuge und Standorte in Weinheim auf den Digitalen Funk umgestellt werden und alle knapp 300 Einsatzkräfte in der neuen Technik geschult werden.

Zum Digitalfunk:

Der Digitalfunk hat für die Feuerwehr bzw. Hilfsorganisationen einige Vorteile. Mit dem Digitalfunk nutzen alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) ein bundesweit einheitliches, flächendeckendes Netz. In der Praxis bedeutet dies, dass beispielsweise die Bundespolizei in Frankfurt am Main ebenso mit der Bundespolizei in Potsdam kommunizieren kann wie auch Polizeien der Länder, Feuerwehren, Rettungsdienste untereinander.

Dabei steht in Zeiten von Datenschutz eine zentrale Funkverschlüsselung in Vordergrund. Der TETRA-Standard beinhaltet als Sicherheitsfunktion bereits eine Funkschnittstellenverschlüsselung. Diese schützt den Übertragungsabschnitt zwischen mobilem Endgerät und Basisstation, gewährleistet jedoch keinen Schutz für die dahinter liegende Netzinfrastruktur. Aus diesem Grund wird der Funkverkehr beim Digitalfunk BOS zusätzlich durch den Einsatz einer speziellen Software verschlüsselt, die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die Kommunikation ist so auf der gesamten Strecke vom sendenden Endgerät über das Netz bis zum Endgerät, das den Funkspruch empfängt, verschlüsselt. Hierdurch wird der Funkverkehr vor dem Abhören durch Unbefugte oder der Manipulation durch Dritte geschützt.

Für die Einsatzkräfte ist es besonders wichtig, dass ihre Funkrufe immer ankommen. Dank seiner spezifischen Netzarchitektur ist der Digitalfunk hochverfügbar. Er gewährleistet, unabhängig von den kommerziellen Mobilfunknetzen, eine verlässliche Kommunikation ausschließlich für die Einsatzkräfte. Diese Eigenständigkeit des BOS-Digitalfunknetzes stellt sicher, dass auch bei einem besonders hohen Gesprächsaufkommen eine verlässliche Kommunikation der Einsatzkräfte gewährleistet bleibt. Dies ist insbesondere bei Großschadenslagen oder Massenveranstaltungen von großer Bedeutung.

Text & Bild: David Kunerth