"Nur noch neun Jahre Zeit, um die Wende zu schaffen"

Das Klimabündnis Bergstraße zeigt sich erfreut über die überwiegend konstruktive Debatte zum Thema Klimanotstand in der jüngsten Kreistagssitzung vom 17.6. Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Ausrufung des Klimanotstands im Kreis, initiiert von der grünen Jugend, war hierbei breit diskutiert worden und wird nun im Ausschuss für Regionalpolitik und Infrastruktur weiter behandelt. “Hierin sehen wir eine gute Chance, um gemeinsam mit der Politik zusätzliche effektive Klimaschutzmaßnahmen im Kreis auf den Weg zu bringen”, so Katja Knoch von Parents For Future, die das Klimabündnis gemeinsam mit weiteren engagierten Einzelpersonen ehrenamtlich organisiert.

Bei der Kreistagssitzung hat sich die Mehrheit der Parteien dazu bekannt, dass auch im Kreis Bergstraße mehr als bisher für den Klimaschutz getan werden muss, um einen Beitrag für die weltweite Mammutaufgabe zu leisten, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten und die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

"Noch überwiegt bei vielen Menschen, auch in der Politik, die Skepsis: Warum denn Notstand? Wir sind doch nicht im Krieg, uns geht es doch gut! Ja, wir haben das Glück, dass wir den Klimawandel im Moment noch ganz gut verkraften und auch verdrängen können. Aber leugnen lässt er sich deshalb nicht, denn 2015 bis 2018 waren weltweit die vier wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen", so Knoch. *(1) Für viele Menschen im globalen Süden herrsche hingegen bereits Notstand in Form von immer größeren Dürren, Wassernot und Hungersnöten. Überschwemmungen und Stürme zerstörten hier vielfach die Lebensgrundlagen.

Am Tag der Kreistagsitzung hat Kanada den Klimanotstand ausgerufen, einen Tag danach Saarbrücken, wie zuvor schon zahlreiche Städte, Kommunen und Kreise sowie einige Länder weltweit, in Deutschland z.B. Konstanz, Erlangen und Kiel, in der Schweiz Basel und Genf. (Ein Übersichtskarte hier: *(2)) Eine weltweite Bewegung nimmt gerade Fahrt auf.

"Wenn die Emissionen nicht weltweit sinken, ist das verbleibende Budget an Emissionen bereits in neun Jahren verbraucht. Dann wird ein existenzbedrohender Klimawandel kaum noch aufzuhalten sein. Wir haben also nur noch neun Jahre Zeit, um die Wende zu schaffen", erklärt Dr. Philipp Schönberger aus Lampertheim von den Scientists For Future, einer Gruppe von rund 27.000 Wissenschaftler*innen, die die Klimaproteste unterstützen. *(3)

“Es ist unsere Verantwortung, denn es ist unsere Zukunft! Wir sind alle verantwortlich für diesen Planeten und für die Zukunft von Millionen von Menschenleben. Deshalb müssen wir jetzt umdenken, und es wird nicht einfach sein”, so Julia Dempewolf von Fridays For Future.

Das Klimabündnis Bergstraße wird bereits kurz nach seiner Gründung von über 30 Institutionen unterstützt. Diese reichen von gesellschaftlichen, kirchlichen und politischen Jugendverbänden und Parteien über Gewerkschafts- und Umweltverbände bis hin zu weiteren privaten und gewerblichen Initiativen aus den Bereichen Energie, Lebensmittel, Landwirtschaft und Bildung. Weitere Unterstützer*innen können sich beim Klimabündnis melden. Außerdem haben mittlerweile fast 2000 Bürger*innen die Petition für den Klimanotstand im Kreis Bergstraße unterschrieben. Diese läuft noch bis zum 23.7. und kann online gezeichnet werden. Eine Übersicht aller Unterstützer*innen, der Link zur Petition und weitere Informationen befinden sich auf www.klimabuendnis-bergstrasse.de

*(1) https://svs.gsfc.nasa.gov/13142 / https://www.scientists4future.org/

*(2) www.theclimatemobilization.org

*(3) https://www.mcc-berlin.net/de/forschung/co2-budget.html