Die therapeutische Gruppe „Wir sind stark“ bietet Mädchen und Jungs einen geschützten Raum zum Austausch und zum Spielen // Balance für den Alltag // Angebot des Brustzentrums am Kreiskrankenhaus Bergstraße und der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz der Vitos-Klinik hat sich etabliert.

KREIS BERGSTRASSE | Juli 2019 | Munter positionieren sich die Mädchen und Jungs für ein Foto. Sie wissen recht genau, wie sie aufgenommen werden möchten. Und mit den Händen wollen sie Herzen über ihren Köpfen formen. So ist es für sie stimmig. Das passt. Es ist einer jener Nachmittage, an denen die Kinder einmal im Monat zusammenkommen, um über sich zu sprechen, über ihre Gefühle, über das, was sie bewegt. In ihrer Runde erzählen sie, wie es ihnen geht - das tut gut. Und sie spielen miteinander. Ganz unbeschwert tun sie das, was nicht selbstverständlich ist, denn sie eint eines: Ihre Mütter sind an Krebs erkrankt, Brustkrebs zumeist, oder ein anderes Familienmitglied leidet unter einer Tumorerkrankung. Eine Diagnose, die für die Betroffenen selbst eine physische wie psychische Herausforderung ist und die das gesamte Familienleben auf den Kopf stellt. Nichts ist mehr wie früher. Für die Kinder eine schwierige Situation. Unterstützung, Hilfe, erfahren sie in der Region in einer therapeutischen Gruppe.

Initiiert haben die Gruppe das Brustzentrum am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim und die Vitos kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz Heppenheim in enger Kooperation. Es ist ein offenes Treffen für Sieben- bis Zwölfjährige, und der Name ist Programm: „Wir sind stark“. Was nicht heißt, dass nicht ein jedes der Kinder seine Schwächen zeigen darf. Aber es ist das Miteinander, das Stärke, Vertrauen, Selbstvertrauen geben kann. Wer mitmachen möchte, ist willkommen. Möglich gemacht wird das Angebot durch die finanzielle Unterstützung des Fördervereins Freunde des Kreiskrankenhauses Bergstraße und, aktuell für drei Jahre, des Rotary Clubs Bensheim-Heppenheim.

Wird bei einer Mutter Brustkrebs diagnostiziert, berührt dies unweigerlich auch die Kinder. Oft gerät ihre Welt komplett aus dem Gleichgewicht. Die Reaktionen sind dabei sehr unterschiedlich. Manches Kind zieht sich tief in sein Inneres zurück. Andere verfallen ins Gegenteil, werden auffallend agil, wieder andere sogar renitent. Und auch zwischen den Extremen finden sich viele veränderte Verhaltensmuster, die Ausdruck von Angst, von Suche nach Halt sind. Die Gruppe soll den Kindern Hilfestellung geben, soll helfen, zu gewohnter Balance zurückzufinden. Vor fünf Jahren wurde die Gruppe als Pilotprojekt ins Leben gerufen. Inzwischen ist ein festes offenes Angebot daraus geworden. Geleitet werden die Treffen von Karolina Stolecka-Meinert aus der Vitos-Ambulanz. Die Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendtherapeutin geht mit großer Offenheit, mit Herzlichkeit und viel Einfühlungsvermögen auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder ein, gibt ihnen den notwendigen Raum, um sich zu artikulieren, um Kreativität und Fantasie auszuleben, um zu sich zu finden. Ziel ist, den Mädchen und Jungs, soweit dies ihre Situation zulässt, größtmögliche Normalität im Leben zurückzugeben. Sie sollen Sicherheit finden, eine Sicherheit, die sie in der Familie, im Freundeskreis, auch in der Schule trägt.

Die Gruppe kann entscheidende Impulse hierzu geben. Karolina Stolecka-Meinert ist es wichtig den Kindern kraftspendende Perspektiven aufzuzeigen, Rüstzeug für den Alltag mitzugeben. „Es geht darum, dass wir uns nicht auf die Krankheit, sondern auf das Gesundsein konzentrieren“, ist ein Satz, der von der Psychologin zu hören ist, wenn es darum geht, wo ihre Arbeit ansetzt. Dabei steht sie in engem Kontakt und Austausch mit der Psychoonkologin des Brustzentrums am Kreiskrankenhaus, Dr. Tonja Deister. Auch weiß sie die Leiterin des Brustzentrums, Dr. Ursula Hurst, Chefärztin der Fachabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus, als Förderin und Unterstützerin an ihrer Seite.

Den Mädchen und Jungs in der Gruppe, das zeigt sich immer wieder, tun die Gespräche und das Spiel miteinander und mit Karolina Stolecka-Meinert gut. Und auch Müttern hilft es zu erleben, wie ihre Kinder aufgefangen werden, wie ihnen sanft geholfen wird in einen Alltag zurückzufinden, der auf einmal so ganz anders ist wie früher.

 

KONTAKT

Die offene therapeutische Gruppe „Wir sind stark“ trifft sich am zweiten Mittwoch eines jeden Monats von 15 bis 16.30 Uhr. Anmeldungen sind möglich über die Vitos kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz Heppenheim, in deren Räumen die Treffen sind, Telefon 06252-5906400, Ansprechpartnerin ist die Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Karolina Stolecka-Meinert, Kontakt via E-Mail: karolina.stolecka-meinert@vitos-riedstadt.de

SPENDENMÖGLICHKEIT

Freundeskreis des Kreiskrankenhauses Bergstraße e.V.
Stichwort: Wir sind stark
Sparkasse Starkenburg
IBAN: DE37 5095 1469 0010 4285 55
BIC: HELADEF1HEP

Foto: WIR SIND STARK nennt sich eine therapeutische Gruppe für Kinder und Jugendliche deren Mütter an Krebs erkrankt sind. Die Gruppe wurde vom Brustzentrum am Kreiskrankenhaus Bergstraße und der Vitos kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz Heppenheim ins Leben gerufen. Aus dem vor fünf Jahren gestarteten Pilotprojekt ist ein festes offenes Angebot geworden. Geleitet wird die Gruppe von Karolina Stolecka-Meinert (im Bild rechts), Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin. Bei ihrer Arbeit weiß sie Dr. Tonja Deister (links), Psychoonkologin am Brustzentrum an ihrer Seite. Beide stehen in engem Austausch und sind dabei auch im Dialog mit der Leiterin des Brustzentrums und Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus, Dr. Ursula Hurst. Foto: Kreiskrankenhaus Bergstraße /Thomas J. Zelinger