Der Gesamtpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer (GPRLL) am Staatlichen Schulamt für den Landkreis Bergstraße und den Odenwaldkreis sieht nach der ersten Schulwoche im neuen Jahr schwere Versäumnisse in der Schulorganisation.

Obwohl spätestens nach den Herbstferien angesichts steigender Inzidenzwerte erkennbar gewesen sei, dass man auf einen zweiten Lockdown zusteuere, hätten sich außer einigen Anpassungen bezüglich der Abschlussprüfungen keine Verbesserungen ergeben. Die Mängel seien im Januar 2021 die gleichen wie im Frühjahr 2020, stellt der GPRLL nach zahlreichen Rückmeldungen aus den unterschiedlichen Schulformen fest.

„Insbesondere die Grund- und Förderschulen leiden unter den Versäumnissen, Inklusion kann so nicht gelingen“, so der Personalratsvorsitzende Tony Schwarz von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Es fehle an einem schlüssigen Konzept, wie man insbesondere jüngere Schülerinnen und Schüler, gerade auch die mit Beeinträchtigungen und Sprachbarrieren, in solchen Situationen unterrichten könne. Ein bloßes „Mehr“ an Tablets in Grundschulen hätte, beispielsweise mit Verweis auf den Neurowissenschaftler und Psychiater Manfred Spitzer, schon zu normalen Zeiten aus verhaltenspsychologischer Sicht eher ein „Weniger“ an guter Bildung ergeben.

Der unmittelbare Unterricht und die Unterstützung in der Schule seien kaum zu ersetzen, der aktuell beschworene sogenannte Paradigmenwechsel hin zu Distanzunterricht sei somit Schönfärberei. In Pandemie-Zeiten davon auszugehen, dass Grundschulkinder chancengleich und stundenlang mit digitalen Geräten lernen könnten, sei „schlichtweg eine Überforderung und der falsche Weg, der die Bildungsschere nur noch weiter auseinandergehen lässt“, so Elke Fischer (GEW).

Ohnehin habe sich bezüglich der Ausstattung bei Schülerinnen und Schülern, wie auch bei Lehrkräften, nichts wesentlich verbessert. „Die angekündigten dienstlichen Endgeräte fehlen immer noch, Datenflatrates für den Distanzunterricht stehen nicht zur Verfügung“, kritisiert Volker Weigand vom Deutschen Lehrerverband Hessen (DLH). Die ersten Tage hätten zudem gezeigt, dass im Wildwuchs verschiedener Videokonferenzsysteme ein Grundproblem liege: Die Kapazitäten seien nicht ausreichend, um einen flächendeckenden Distanzunterricht zu gewährleisten.

Zudem seien Fragen des Datenschutzes nach wie vor ungeklärt. Elternsprechtage, Notenbesprechungen, Gesamtkonferenzen, Praktika - jede Schule sei hierbei auf sich alleine gestellt, weil die Vorgaben aus dem Kultusministerium oft schwammig formuliert seien. Viele Mitglieder der Schulgemeinde, auch Eltern, seien nicht zuletzt deswegen mit der Situation überfordert, psychische Erkrankungen würden zunehmen. Leider fehle es hessenweit an einem schlüssigen Konzept, wie man auch unter Pandemie-Bedingungen das zweite Schulhalbjahr zu Ende bringen könne. Distanzunterricht oder Wechselmodell ab Februar oder März?

Nach Einschätzung des Personalrats drohe weiterhin organisatorisches Chaos, wenn nicht umgehend eine klare und einheitliche Linie in ganz Hessen gelte. Beispielsweise sei es seit Wochen schon fast ein Glücksspiel, Klassenarbeiten zu planen, so der GPRLL. Der hessische Weg, den Schulen vor Ort große Freiheitsgrade zuzugestehen, erweise sich in diesen Krisenzeiten als ein Bumerang, der dem selbsternannten „Bildungsland Nr. 1“ nun mit Wucht auf die Füße fällt. Gerade Schulleitungen seien in den vergangenen Monaten bis über die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit hinaus belastet worden, um im Monatstakt ständig wechselnde Vorgaben, wie mittlerweile sechs verschiedene Hygienepläne, umzusetzen. Dies sei nicht mehr hinnehmbar, so der GPRLL.

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