Kreis Bergstraße (kb.) Auf aktuelle Berichte zum ehemaligen Luisenkrankenhaus und Schilderungen angeblicher Versorgungs-engpässe antwortet der Kreis Bergstraße – vertreten durch Landrat Christian Engelhardt und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz –. Für Klarheit sorge dies angesichts der Aussagen von Bürgermeister Helbig:

Im Kreis Bergstraße gibt es mehrere Krankenhäuser. Allerdings wird - und wurde auch in der Vergangenheit - der sogenannte Sicherstellungsauftrag des Kreises in der stationären Versorgung durch das Kreiskrankenhaus in Heppenheim gewährleistet. Mit dem Verkauf eines 90%-Anteils des Kreiskrankenhauses an das Universitätsklinikum Heidelberg wurde die medizinische Versorgung langfristig gesichert und das Leistungsspektrum und damit bereits aktuell wie auch perspektivisch weit über die Möglichkeiten eines kommunalen Kreiskrankenhauses hinaus ausgebaut.

Die Behauptung vom Lindenfelser Bürgermeister, dass im Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim viele Millionen Euro seitens des Universitätsklinikums Heidelberg und des Landkreises Bergstraße investiert werden, um in Lindenfels entfallende Betten zu kompensieren, erfordert eine Richtigstellung. Fakt ist, dass das Universitätsklinikum Heidelberg gemäß vertraglicher Verpflichtung aus dem Jahr 2012 bis zum Jahr 2020 58 Millionen Euro in das Gebäude und die Medizintechnik in Heppenheim investieren wird. Dies war Gegenstand des Gesellschaftervertrages, dem das Universitätsklinikum Heidelberg als Vertragspartner nun nachkommt. Der Landkreis ist an diesen Kosten finanziell nicht beteiligt.

„Wir sind glücklich und dem Universitätsklinikum Heidelberg dankbar, dass mit diesen Mitteln der Standort Bergstraße zukunftsfähig aufgestellt wird und hierfür keinerlei Mittel des Kreises Bergstraße benötigt werden. Patienten, die in Heppenheim behandelt werden, können davon ausgehen, dass dies auf universitärem Niveau geschieht. Mit dem Universitätsklinikum Heidelberg wurde ein Partner gefunden, der weltweites Renommee genießt“, erklärt Landrat Christian Engelhardt. Umso unverständlicher ist die Aussage von Bürgermeister Helbig, dass er mit Wehmut auf diese an das Kreiskrankenhaus gerichtete Investitionen blicke.

Die Schließung des Luisenkrankenhauses erfolgte aufgrund der Insolvenz des privaten Südhessischen Klinikverbundes als Eigentümer.

Mit der Übernahme des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) auf Betreiben von Landrat Engelhardt und Gesundheitsdezernentin Stolz durch das Kreiskrankenhaus wurde die ambulante Versorgung in Lindenfels auf stabile Füße gestellt. In der Vergangenheit war das MVZ dem privaten Lindenfelser Luisenkrankenhaus angegliedert. Mit der Schließung des in wirtschaftliche Schieflage geratenen Krankenhauses stand auch das Versorgungszentrum vor dem Ende. Das Überleben der Einrichtung sicherte schließlich die Übernahme durch das Kreiskrankenhaus Bergstraße, das unter dem Dach des Universitätsklinikums Heidelberg arbeitet. Ein Team aus vier Ärzten – ein allgemeinärztlich tätiger Internist, eine Allgemeinmedizinerin, zwei Gynäkologinnen - sowie drei Medizinischen Fachangestellten füllen das MVZ mit Leben. Das Versorgungszentrum ist Anlaufstelle für Patienten aus weiten Teilen des vorderen Odenwalds. Über die aktuelle Entwicklung am Standort Lindenfels sollte Herr Bürgermeister Helbig glücklich sein, statt mit Wehmut die Entwicklung am Kreiskrankenhaus zu kommentieren und damit einen wichtigen Partner vor den Kopf zu stoßen. Dass das Kreiskrankenhaus den Schritt zur ambulanten Versorgung in Lindenfels gegangen ist, ist alles andere als selbstverständlich, umso unverständlicher seien die jetzigen Äußerungen des Bürgermeisters.

Um das MVZ in Lindenfels auch langfristig zu ermöglichen, hat der Kreis durch Beschluss des Kreistags im Jahr 2017 einen Betrag in Höhe von bis zu 3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, und dies, ohne die originäre Zuständigkeit zu haben. Damit soll der ambulanten Versorgung der Stadt im vorderen Odenwald Rechnung getragen werden.

Herr Helbig sollte zu den vom ihm kritisierten Doppelstrukturen von Krankenhäusern an der Bergstraße wissen, dass der Kreis Bergstraße hierauf keine Einflussmöglichkeit hat. Dass zumindest für das – sich ebenfalls wie das Luisenkrankenhaus im Besitz des privaten Südhessischen Klinikverbunds befundene und damit von der Insolvenz bedrohte - Heilig-Geist-Hospital in Bensheim ein Käufer gefunden und der Betrieb damit fortgeführt werden konnte, ist aus Sicht des Landkreises aber sehr erfreulich. Der Zuschnitt der privaten Häuser obliege den Unternehmen, die auch das volle unternehmerische Risiko tragen.

Der von Helbig durchgeführte Vergleich der Einsätze von Rettungshubschraubern im Odenwald kann zudem seriös nur anhand der entsprechenden Monate und Jahreszeiten erfolgen. So wird die Einsatzstatistik beispielsweise zwischen Frühjahr und Herbst durch saisonbedingte Motorradunfälle beeinflusst. Tatsächlich wurden im ersten Halbjahr 2017 durch den Rettungshubschrauber 67 Patienten notärztlich versorgt und teilweise durch den Rettungshubschrauber transportiert, 8 dieser Einsätze fanden in Lindenfels statt. Im Vergleichszeitraum 2016 konnten 68 Patienten versorgt und teilweise transportiert werden, wovon sich 5 Einsätze in Lindenfels ereigneten. Diese Einsatzdaten und –zahlen werden im Einsatzleitrechner der Leitstelle automatisch dokumentiert und sind nicht manipulierbar. Durch die Leitstelle Bergstraße wird ein Rettungshubschrauber dann angefordert, wenn es der Schweregrad der Verletzung erfordert oder um für den Patienten in Folge die bestmögliche Notarztversorgung zu gewährleisten und ihn in das für seine Verletzung spezialisierte Krankenhaus zu bringen, sowie zur Ergänzung der Notarzteinsatzfahrzeuge.
 
Auch zu Zeiten des Bestehens des Luisenkrankenhauses wurden über Dreiviertel aller Patienten aus Lindenfels mit einem Rettungswagen aus Lindenfels in andere spezialisierte Kliniken, wie beispielsweise das Kreiskrankenhaus in Heppenheim, gebracht.

Das seit März in Lindenfels installierte ehrenamtliche First-Responder System bietet ein zusätzliches Angebot im Bereich der medizinischen Versorgung. Diese Systeme ersetzen nicht den Rettungsdienst, sondern ermöglichen eine unterstützende medizinische Erstversorgung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Diese Systeme sind in der Odenwaldregion auch in Abtsteinach, Birkenau, Gorxheimertal und Mörlenbach aktiv, sowie im Neckartal in Hirschhorn und den Riedkommunen Groß-Rohrheim und Lorsch.

Gesundheitsdezernentin Diana Stolz unterstützt die Aussage von Herrn Dr. Joachim Wahlig „den Blick nun nach vorne zu richten“. „Es werden noch viele Herausforderungen im Bereich der medizinischen Versorgung auftreten. Es ist daher wichtig zukunftsorientiert zu handeln. Mit dem neuen Konzept Netzwerk Ortsnahe Versorgung Odenwald (NOVO) hat der Kreis Bergstraße gemeinsam mit neun Odenwaldgemeinden eine Grundlage geschaffen, eine neue Strategie zu verfolgen und wir sind zudem sehr froh, einen starken Partner wie die Universitätsmedizin Heidelberg und das Kreiskrankenhaus an unserer Seite zu wissen, wenn es um die medizinische Versorgung geht.“