Betroffenen eine Stimme geben

Kreis Bergstraße (kb). Seit zehn Jahren gibt es bereits die Unabhängige Beschwerdestelle des Kreises Bergstraße. Dort finden Menschen Hilfe, die mit ihrer psychiatrischen oder psychosozialen Versorgung nicht zufrieden sind. Um sich ein persönliches Bild von der Arbeit zu machen, besuchte die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz kürzlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unabhängigen Beschwerdestelle. „Sie hören den Betroffenen zu, nehmen ihre Sorgen und Nöte ernst und geben ihnen eine Stimme. Sie leisten eine unglaublich wichtige Arbeit in unserem Kreis“, betonte Diana Stolz bei ihrem Besuch.

Hintergrund ist, dass Menschen mit Psychiatrieerfahrung eher selten ihre Rechte einfordern, da sie Angst davor haben, Nachteile in ihrer Behandlung oder weitere Stigmatisierungen zu erfahren. Genau diesen Personen will die Unabhängige Beschwerdestelle helfen. Sie ist ein kostenloses Beratungsangebot und leistet ähnliche Arbeit wie Patientenfürsprecher in Krankenhäusern, mit dem Unterschied, dass sie sich speziell um Menschen mit Psychiatrieerfahrung kümmert. Sie ist in ihrer Arbeit – ebenso wie Patientenfürsprecher auch – neutral, verschwiegen und weisungsungebunden.

Die Unabhängige Beschwerdestelle versteht sich als Moderatorin für verfahrene Situationen und versucht Betroffenen Wege und Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Bei den vorgebrachten Anliegen handelt es sich nicht selten um Schwierigkeiten, Probleme oder Ereignisse, die eine längere Vorgeschichte haben. In solchen Fällen vermittelt die Unabhängige Beschwerdestelle zwischen den Akteuren. Sie versucht dabei Handlungsweisen transparent zu machen und bietet Institutionen die Möglichkeit, ihr Handeln zu reflektieren. Sie hilft auch bei der Beschleunigung behördlicher Entscheidungsprozesse, damit Antragsstellende ihre Bescheide schneller erhalten.

Eine einvernehmliche Lösung bestehender Probleme kann jedoch nicht immer erreicht werden. „Sobald eine Seite juristische Schritte eingeleitet hat, können wir nicht mehr helfen. Wir bieten die Möglichkeit, frühzeitig zu helfen und einzuschreiten“, erklärte Constantin von Gatterburg, Mitglied des Teams der Unabhängigen Beschwerdestelle. „Uns ist es sehr wichtig, dass die Betroffenen sich trauen, uns ihre Probleme mitzuteilen, denn nur so können wir helfen und die Leistungen und Angebote der Institutionen und Leistungsanbieter immer weiter verbessern.“

Für die Arbeit der Unabhängigen Beschwerdestelle spielt auch die Zusammensetzung des Teams eine wichtige Rolle: Menschen, die selbst bereits psychiatrieerfahren sind und die Situation der Betroffenen selbst kennen, arbeiten hier mit. „Es ist wichtig, dass Menschen, die selbst betroffen waren, Teil unseres Teams sind. Wenn Betroffene mit ihnen sprechen und merken, dass sie dieselben Erfahrungen teilen, existiert gleich ein ganz anderes Vertrauensverhältnis. Es gibt viele Ängste, die professionelle Fachkräfte nicht abbauen können, wir von der Unabhängigen Beschwerdestelle hingehen schon“, so Karin Poßmann.

Kontakt mit der Unabhängigen Beschwerdestelle können Interessierte und Betroffene entweder telefonisch unter 06252 – 15 58 72 oder per E-Mail an ubest@kreis-bergstrasse.de aufnehmen.

 

Bildunterschrift:

Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz (Mitte) stellte gemeinsam mit Kirstin Hörberg (3.v.l.), Fachbereichsleitung Soziale Dienste des Kreises Bergstraße, sowie (v.l.n.r.) Peter Thein, Karin Poßmann, Constantin von Gatterburg, Verena Gaier und Lucia Raithel von der Unabhängigen Beschwerdestelle neue Infomaterialien vor.