20 000 Jugendliche können Danke sagen

Weinheim. Das Bild hatte Symbolkraft. Rote Fäden spannten sich durch den Saal, ein Knäuel weitergegeben von Partner zu Partner, bis sich daraus ein starkes Netz entwickelte: Aus Schulen, aus den Kammern, aus der Politik, aus Bildungsakteuren, aus Jugendorganisationen, Betrieben und aus Ehrenamtlichen. Dieses Netz konnte man spannen, ohne dass es zu reißen drohte – und inmitten von allen die Regionale Jugendagentur Job Central mit Sitz in Weinheim, sinnbildlich vernetzt mit allen wichtigen Akteuren am Übergang von der Schule ins Berufsleben.

20 Jahre gibt es diese Einrichtung jetzt schon, im Wesentlichen getragen von den Kommunen im Raum Weinheim und der Freudenberg Stiftung, am Donnerstag wurde der 20. Geburtstag gefeiert; im Hermannshof, wo die Wurzeln historischer Bäume und der Weinheimer Bildungskette liegen. Denn die Freudenberg Stiftung gehörte im Jahr 1999 schon zu den Ideengebern und Gründern der Agentur, weil in Weinheim ein bisschen früher als anderswo verstanden wurde, dass es sich die Gesellschaft aus sozialpolitischen und volkswirtschaftlichen Gründen nicht leisten kann, wenn Schülerinnen und Schüler nach dem Abschluss keinen Anschluss finden. So entstand Job Central und in dessen Folge weitere Einrichtungen und Organisationen, die heute Weinheim, die Zweiburgenstadt, in ganz Deutschland, zu einer Bildungshochburg machen.

„20 Jahre Job Central“, so betonte es Weinheims OB Manuel Just, der auch Vorsitzender der als Verein organisierten Beratungsagentur ist, „das sind 20 Jahre Beratung, individuelles Coaching und berufsbezogene Unterstützung für junge Menschen am Übergang von der Schule in den Beruf“.

Just zeichnete die beeindruckende Entwicklung von Job Central auf: Von einer Beratungsstelle mit anfänglich zwei pädagogischen Mitarbeitern entwickelte sich die Agentur zu einem Bildungs- und Jugendberufshilfeträger mit vielfältigen Angeboten an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, mit einer Beratungsstelle und neuerdings auch mit ergänzenden aufsuchenden und niederschwelligen Bildungs-Angeboten. Aktuell bilden mit Geschäftsführer Jürgen Ripplinger, der bei der Stadt Weinheim angestellt ist, 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Team. Jährlich werden mehr als 1000 Jugendliche beraten und unterstützt – das sind auf diese zwei Jahrzehnte hochgerechnet etwa 20 000 junge Menschen, die zum Geburtstag Danke sagen konnten.

Just betonte, dass neben den passgenauen und individuellen Angeboten für Jugendliche und junge Erwachsene auch der Aufbau von Netzwerken und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren am Übergang Schule und Beruf ein wichtiges Merkmal von Job Central sei. Und er nannte explizit: die jahrelange enge Kooperation zwischen der Stadt Weinheim und der Freudenberg Stiftung, die enge Zusammenarbeit mit dem Koordinierungsbüro Übergang Schule Beruf, mit dem Bildungsbüro / Integration Central, dem Stadtjugendring, den Ämtern für Bildung und Sport sowie für Jugend und Soziales als Teil der Weinheimer Bildungskette und mit einer lokalen Bildungsstrategie, die Kooperation mit dem Rhein-Neckar-Kreis, mit Stiftungen, mit dem Land und schließlich die vielfältigen Kooperationen und Netzwerke vor Ort wie dem Weinheimer Unterstützerkreis Berufsstart WUB.

An die 100 Geburtstagsbesucher konnten auf die Erfolgsgeschichte Job Central anstoßen, darunter Gründer und Wegbegleiter. Im Gespräch mit Jürgen Ripplinger erklärten Dr. Pia Gerber, die Geschäftsführerin der Freudenberg Stiftung, und Weinheims früherer OB Heiner Bernhard, was ihrer Ansicht nach Job Central ausmacht. Dr. Pia Gerber erinnerte daran, dass der Impuls ursprünglich aus dem Unternehmen Freudenberg kam, in dem schon früh das Problem des Nachwuchskräftemangels erkannt worden sein. In den ersten Jahren gehörte die Firma Freudenberg auch zu den größten Unterstützern der jungen Agentur.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigten in einem Video kurze Interviews mit jungen Frauen, die über Job Central den Weg ins Berufsleben gefunden haben. OB Just würdigte besonders die beiden früheren Geschäftsführerinnen Dr. Susanne Felger und Marianne Volpp sowie Heidemarie Bauer, die für die allgemeine Verwaltung zuständig ist.

Zur unterhaltsamen Geburtstagsfeier gehörte auch ein fachlicher Input durch Prof. Dr. Birgit Reißig vom Deutschen Jugendinstitut.