Weinheim. Nicht viele Einwohnerinnen und Einwohner in der Weinheimer Weststadt haben sie bisher zu Gesicht bekommen, aber sie ist da. Klein, schwarz-weiß, blutsaugend und äußerst lästig: die Asiatische Tigermücke. Obwohl schon frühzeitig mit den Bekämpfungsmaßnahmen im Auftrag der Stadt Weinheim und des Gesundheitsamtes des Rhein-Neckar-Kreises begonnen wurde, konnten Tigermückensichtungen einzelner Bürger aus der Ladenburger Straße, der Karlsruher Straße und dem Ulmenweg bestätigt werden. Ebenso gab es positive Nachweise in einigen Monitoring-Fallen, die zur Überwachung der Befall-Situation aufgestellt wurden. Neu hinzugekommen ist auch ein Gebiet, in dem bei letztjährigen Stichproben noch keine Tigermücken zu finden waren.

Für Frau Hofmann in der Straße An der Kuhweide ist die Tigermücke kein Phantom. Letztes Jahr im Sommer konnte sie aufgrund der massiven Stechbelästigung den Aufenthalt in ihrem Garten nicht genießen. Sie hofft, dass es dieses Jahr nicht mehr zu solch einer Situation kommt. Bisher ist sie verschont geblieben, dafür haben schon manche Anwohnerinnen und Anwohner der Ladenburger Straße und der anderen genannten Straßenzügen das aggressive Stechverhalten der Tigermücke erlebt.

Wenn man bedenkt, dass ein Tigermückenweibchen im Lauf seines 4-6 Wochen dauernden Lebens bis zu 300 Eier legt, dann kann man sich vor Augen führen, dass bei einer ungehinderten Vermehrung aus Einzelexemplaren sehr schnell eine große Population entstehen kann. Es geht nicht um die Frage, woher (aus welchem Garten) die Tigermücke kommt, sondern wie Weinheim sie wieder los wird. Um die Ausbreitung zu verhindern und bestenfalls die Population wieder auszulöschen, ist die Mithilfe aller Anwohnerinnen und Anwohner gefragt.

In diesem Sinne begrüßen auch Herr Sckerl und Frau Kirgiane-Efremidou die Bekämpfungsmaßnahmen in ihren Gärten, da sie im Verbreitungsgebiet der Tigermücke in der Weinheimer Weststadt wohnen. Sie wollen auf ihren Facebook-Seiten einen Aufruf zur Unterstützung posten.

Da die Asiatische Tigermücke nicht nur ein hohes Belästigungspotential hat, sondern auch Krankheitserreger wie Dengue-, Chikungunya- oder Zikaviren übertragen könnte, soll sie auf Anraten des Landesgesundheitsamtes bekämpft werden. Eine Übertragung dieser ursprünglich aus tropischen Regionen stammenden Viren durch Mückenstiche ist zwar bisher für Deutschland nicht nachgewiesen, hat sich jedoch in Gebieten des Mittelmeerraums, in denen die Tigermücke weit verbreitet ist, bereits ereignet. Sofern eine erkrankte Person (z. B. Reiserückkehrer) von der Tigermücke gestochen wird und sich die Viren in der Mücke bei langanhaltend sehr warmen Durchschnittstemperaturen vermehren können, ist dieser Übertragungsweg auch für Deutschland nicht auszuschließen.

Das bis dato bekannte Verbreitungs- und Bekämpfungsgebiet ist umrandet von Freiburger Straße, Schlehdornweg, Buchenweg, Breslauer Straße bis Multring, Stettiner Straße, Liegnitzer Straße, Theodor-Heuss-Straße und Konrad-Adenauer-Straße. Neu hinzu kommt nun aufgrund aktueller Nachweise die Kleingartenanlage Kuhweide, der Friedrich-Ebert-Ring und die Boschstraße bis zum Autobahndamm. Zusätzlich sollten auch die Gartengrundstücke rund um das Gelände der GRN-Klinik behandelt werden, hierzu werden die Gartennutzerinnen und -nutzer in den nächsten Tagen Flyer mit B.t.i.-Tabletten zur Behandlung von Regentonnen an ihren Gartengrundstücken vorfinden.

Leider konnte auf 5-10% der Grundstücke der Wirkstoff bisher nicht in Regentonnen, Blumentopfuntersetzer, vernachlässigte Vogeltränken usw. appliziert werden, da die Anwohnerinnen und Anwohner entweder noch nicht angetroffen wurden oder aus verschiedenen Gründen die Bekämpfungsmaßnahmen nicht erwünscht sind. In Kindergärten z.B. kann weitgehend auf die Bekämpfung mit B.t.i. verzichtet werden, wenn die erforderlichen präventiven Maßnahmen eingehalten werden. Als erfolgreichste Strategie hat sich allerdings erwiesen, jede noch so kleine Brutstätte, wie hohle Zaunpfosten und Sonnenschirmständer, und natürlich die Massenbrutstätten wie Regentonnen, mit B.t.i. zu behandeln, um das exponentielle Wachstum der Population im Keim zu ersticken.

Was ist B.t.i?

Der zur Stechmückenbekämpfung eingesetzte biologische Wirkstoff B.t.i. besteht aus Eiweißkristallen, die aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis gewonnen werden und erst im Darm der Mückenlarven zu dem tödlichen Wirkstoff umgewandelt werden. Dadurch wirkt B.t.i. sehr selektiv und trifft nur wenige Mückenarten. Auch im ökologischen Landbau werden nach vergleichbarem Prinzip wirkende Eiweißkristalle aus einem anderen Untertyp des Bacillus thuringiensis eingesetzt, um Schädlinge abzutöten.

Was kann jede einzelne Person tun, um die Ausbreitung der Tigermücke zu verhindern?

Bitte unterstützen Sie die Kontroll- und Bekämpfungsmaßnahmen, indem Sie den Mitarbeitenden der Icybac GmbH Einlass gewähren.

Gut zugängliche Brutstätten wie Regentonnen, die regelmäßig mit B.t.i. behandelt werden können, sollten zunächst so belassen werden, sonst suchen sich die Tigermückenweibchen versteckt liegende Brutstätten zur Eiablage, was die Bekämpfung um einiges aufwändiger machen würde. Am Ende des Sommers können die Regentonnen restlos entleert und gesäubert werden (Wasser im Erdreich versickern lassen) und anschließend trocken gelagert werden.

Nur zuvor gereinigte Gefäße, in denen Wasser stand/steht, entsorgen: spülen Sie die Gefäße mit heißem Wasser aus und säubern den Rand mit einer Bürste. Die Reinigung ist wichtig, weil die Tigermückeneier oberhalb des Wasserstands an die Gefäßwand gelegt werden; die Eier überstehen Trockenheit im Sommer und Kälte im Winter und die Tigermücken könnten sich an neuer Stelle ausbreiten, sobald die Eier mit Wasser überspült werden und die Larven schlüpfen.

Vor allem außerhalb des Verbreitungsgebietes sollten benötigte Gefäße einflugsicher abgedeckt werden (Deckel, Netz) und unnötige Gefäße mit Wasseransammlungen vermieden werden. Beseitigen Sie alle kleinen oder versteckten potentiellen Brutstätten: Gießkannen sollten sauber und trocken gelagert werden. Bei unbenutzten Sonnenschirmständern sollte der Schaft abdeckt werden. Wenn Schirmständer oder mobile Basketballkörbe mit Wasser beschwert werden, sollte darauf geachtet werden, dass der Deckel des Fußes fest schließt oder er sollte erneuert oder ersetzt werden. Hohle Zaunpfosten sollten abgedeckt oder mit Beton gefüllt werden.

Man braucht einen langen Atem aber der Aufwand lohnt sich, damit alle wieder den Sommer in ihrem Garten genießen können.

Bitte melden Sie auffällig schwarz-weiß gefärbte Stechmücken am besten mit Bildnachweis unter weinheim@tigermuecke.info, damit im Fall eines neuen Fundes außerhalb des bekannten Verbreitungsgebietes schnell eingegriffen werden kann.

Bitte unterstützen Sie weiterhin oder aus neuer Überzeugung die Bekämpfungsmaßnahmen, damit aus einzelnen Exemplaren nicht eine große Population werden kann.

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.rhein-neckar-kreis.tigermuecke.info

Bild: Asiatische Tigermücke Pixabay