Gemeinsam aktiv gegen den Hausärztemangel

Der Hausärztemangel macht auch vor der Region Weinheim nicht halt: „Von 47 Hausärzten in Weinheim und Umgebung sind mehr als die Hälfte älter als 56; noch bedenklicher ist, dass 15 über 61, davon sechs bereits über 66 Jahre alt sind. Nachfolger sind daher dringend gesucht“, sagt Dr. med. Friedrich-Karl Schmidt, Geschäftsführer des Ärztevereins regiomed e.V., selbst pensionierter Hausarzt aus Weinheim. Um diesem Notstand entgegen zu treten, haben der Ärzteverein und die GRN-Klinik Weinheim nun den Weinheimer Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin ins Leben gerufen. Junge Ärztinnen und Ärzte, die später als Hausärztinnen und -ärzte tätig sein möchten, finden hier Unterstützung bei der Suche und Kombination geeigneter Weiterbildungsstellen in den Praxen der Region sowie in der Klinik. Bisher mussten sie sich die Stellen selbst suchen, sich mehrfach bewerben, Wartezeiten und Umzüge in Kauf nehmen, falls in einer Region keine geeigneten Stellen zu finden waren. Diese Unsicherheiten schreckten viele junge Mediziner ab.

„Mit dem Verbund möchten wir dem Nachwuchs unsere Region vertraut und attraktiv machen. Darum bieten wir unsere Hilfe und Beratung bei der Stellensuche an. Darüber hinaus kümmern wir uns um eine nahtlose Rotation zwischen den einzelnen Weiterbildungsstellen“, so Dr. Schmidt. „Die jungen Kollegen müssen uns nur mitteilen, welche Fachbereiche sie interessieren.“ Zur Auswahl stehen 13 Hausarztpraxen zwischen Laudenbach und Hirschberg und neun Praxen mit 14 Fachärzten verschiedener Fachrichtungen, die sich dem Weiterbildungsverbund angeschlossen haben. Mit eingeschlossen sind die hessischen Gemeinden Birkenau und Gorxheimertal sowie eine orthopädische Praxis in Schriesheim. Darüber hinaus ist eine mehrmonatige Tätigkeit in einem Krankenhaus Pflicht.

Klinikleiter Markus Kieser und seine Chefärzte unterstützen die Initiative gerne, allen voran Dr. med. Thomas Simon (Allgemein- und Viszeralchirurgie) und Professor Dr. med. Christoph Eisenbach (Innere Medizin / Gastroenterologie und Diabetologie): „Wir haben zwar keine allgemeinmedizinische Abteilung in unserer Klinik“, so die beiden Mediziner, „aber es ist uns wichtig, dass die jungen Kollegen die interdisziplinäre Zusammenarbeit der beiden großen Fächer Innere Medizin und Chirurgie mit ihren jeweiligen Inhalten kennenlernen. Das kommt dem gegenseitigen Verständnis, der zukünftigen Zusammenarbeit und letztlich dem Wohl unserer gemeinsamen Patienten zugute.“ Denn Hausärzte sind – neben Frauen- und Kinderärzten – in der Regel die ersten Ansprechpartner für Patienten. Häufig sind sie es, die Facharztbesuche und Klinikaufenthalte koordinieren und für die Weiterbehandlung zu Hause sorgen. So nimmt die hausärztliche Tätigkeit für alle Beteiligten eine Schlüsselrolle ein.

Weiterbildung für junge Mediziner

Die Facharzt-Weiterbildung – umgangssprachlich auch Assistenzarztzeit genannt – beginnt für junge Medizinerinnen und Mediziner nach dem abgeschlossenen Studium und dem Erwerb der ärztlichen Approbation. In dieser Phase entscheiden sie sich, in welcher medizinischen Fachdisziplin sie sich spezialisieren werden. „Wir bieten den jungen Ärztinnen und Ärzten, die Allgemeinmediziner werden wollen, die Möglichkeit, ihre gesamte Weiterbildung – ambulant und stationär – ‚im Paket‘ zu durchlaufen. Das gibt sowohl ihnen als auch den weiterbildenden Einrichtungen Planungssicherheit“, führt Schmidt aus. Für die angehenden Hausärzte bringt die Weiterbildung im Verbund neben einer sehr guten Betreuung beispielsweise auch die Bezahlung nach Tarif mit sich. Die Vorlaufzeit für Interessenten ist kurz: „Die Organisation der Weiterbildung verläuft bei uns auf kurzen Wegen und ist eine Sache von Wochen“, so Schmidt. Derzeit lassen sich bereits zehn junge Ärztinnen und Ärzte im Weinheimer Verbund weiterbilden.

Hintergrund: Die KWBW Verbundweiterbildung plus

Der neue Weinheimer Weiterbildungsverbund ist in die sogenannte KWBW Verbundweiterbildung plus eingebunden. KWBW steht dabei für „Kompetenzzentrum Weiterbildung Baden-Württemberg“, das aus dem Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin Baden-Württemberg am Universitätsklinikum Heidelberg hervorgegangen ist und von den verschiedenen Partnern in der Weiterbildung zum Hausarzt – der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft, der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, der Landesärztekammer Baden-Württemberg mit den Bezirksärztekammern Nord-/Südbaden und Nord-/Südwürttemberg sowie den universitären allgemeinmedizinischen Einrichtungen in Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm – getragen wird.
Die fünfjährige Verbundweiterbildung lockt junge Ärztinnen und Ärzte mit strukturiertem Curriculum, organisierter Rotation, regelmäßigen Begleitseminaren und Mentoring-Programm, das sie nicht nur medizinisch, sondern auch unternehmerisch auf die selbstständige hausärztliche Tätigkeit vorbereitet. Dazu werden jährlich 30 Schulungstage angeboten, in denen beispielsweise Kernkompetenzen aus Fachbereichen wie Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Dermatologie und Kinder- und Jugendmedizin ebenso wie die Grundsätze des Praxismanagements und der interprofessionellen Zusammenarbeit vermittelt werden. Inhalte wie diese kamen in der Vergangenheit bei der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner zu kurz. Das aktuelle Konzept erlaubt es den angehenden Hausärzten, sich das breit gefächerte medizinische Allgemeinwissen anzueignen, das sie als erste Ansprechpartner bei unterschiedlichsten Gesundheitsproblemen benötigen. Für die weiterbildenden Ärzte gibt es zudem sogenannte Train-the-Trainer-Seminare. Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg bereits mehr als 30 Weiterbildungsverbünde.

Der Ärzteverein regiomed e.V.

Im Ärzteverein regiomed e.V. haben sich mehr als 140 Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen, sowohl niedergelassene als auch Klinikärzte, aus Weinheim und Umgebung zusammengeschlossen. Ziel des Vereins ist vor allem die Förderung der regionalen Zusammenarbeit über intensiven Austausch in Fortbildungen oder Qualitätszirkeln, durch die Suche nach neuen, elektronischen Möglichkeiten des Informationsaustauschs und vieles andere mehr.

Die GRN-Klinik Weinheim

Die GRN-Klinik Weinheim ist ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung mit 220 Planbetten. Die Klinik verfügt über die Fachabteilungen Anästhesie und Intensivmedizin, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Innere Medizin, Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Wirbelsäulenchirurgie. Darüber hinaus gibt es eine HNO-Belegabteilung und eine Kooperation im Fachbereich Proktologie. 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versorgen hier im Jahr etwa 11.000 stationäre Patienten und rund 13.700 ambulante Notfälle. Hinzu kommen über 1.300 ambulante Operationen. Jährlich erblicken in der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe knapp 750 Babys das Licht der Welt.

Bildunterschrift: Freuen sich auf die Zusammenarbeit im neu gegründeten Weiterbildungsverbund (v.l.n.r.): Dr. med. Martin Honsowitz, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie (GRN-Klinik Weinheim), Dr. med. Durda Kratochwil (angehende Fachärztin für Allgemeinmedizin), Dr. med. Thomas Simon, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie (GRN-Klinik Weinheim), Dr. med. Friedrich-Karl Schmidt, Geschäftsführer des Ärztevereins regiomed e.V., Prof. Dr. med. Christoph Eisenbach, Chefarzt für Innere Medizin (Gastroenterologie und Diabetologie / GRN-Klinik Weinheim), und Dr. med. Manfred Scheuer, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Laudenbach. (Foto: GRN)