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Kreis Bergstraße (kb.) Anlässlich der Europäischen Impfwoche vom 24. bis zum 30. April möchte das Gesundheitsamt auf das Thema Impfen aufmerksam machen. „Impfungen sind entscheidend für die Verhütung von Krankheiten und den Schutz von Menschenleben. Vorsorge durch Impfung wird leider oft unterschätzt“, gibt die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz zu bedenken. „Auch im Kreis Bergstraße treten immer wieder Fälle von Infektionskrankheiten auf. Durch eine zielgerichtete Sensibilisierung der Bevölkerung über die Bedeutung von Impfungen kann eine höhere Durchimpfungsrate erreicht werden“, so Stolz weiter.

Schon seit vielen Jahren gehören zu den Standardimpfungen die Grundimmunisierung, z.B. gegen Tetanus, Keuchhusten, Masern, Mumps oder Röteln im Kindesalter. Die Impfungen führen zu einem deutlichen Rückgang der Erkrankungshäufigkeit und der damit verbunden Folgeschäden. „Zur Vorbeugung von Krankheiten gehört das Impfen zu den wichtigsten und wirksamsten Methoden. Die aktuell verwendeten Impfstoffe sind in der Regel sehr gut verträglich und das Auftreten schwerer Nebenwirkungen ist ausgesprochen selten“, erklärt die Leiterin des Gesundheitsamtes Dr. Sabine Güssow.

2016 gab es allein in Hessen 10 gemeldete Fälle von Masern. Die Infektionskrankheit wurde in der Bevölkerung sehr lange als reine Kinderkrankheit betrachtet, die man durchzumachen hatte und einfach ein Lebensrisiko darstellte. Masern sind jedoch nicht so harmlos, wie man vermutet. Die Viren sind hochinfektiös und werden durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen. Es dauert circa 8 bis 12 Tage, bis die ersten Symptome auftreten. Zunächst sind es untypische Erscheinungen wie Fieber und Erkältungssymptome, bis sich der typische Masernhautausschlag zeigt, der im Gesicht und hinter den Ohren beginnt. 5 Tage vor und 4 Tage nach dem Auftreten des Hautausschlages gilt man als hoch ansteckend. Neben harmlosen Begleitinfektionen ist als Komplikation besonders die Masern-Gehirnentzündung (Enzephalitis) gefürchtet. Sie tritt bei etwa einem von 1000 Masernfällen auf. Von diesen Schwererkrankten sterben 10 bis 20 Prozent und bei 20 bis 30 Prozent bleiben geistige Behinderungen zurück.

Einer Masernerkrankung im ersten Lebensjahr kann als seltene Erkrankung eine chronischen Entzündung des Gehirns mit tödlichem Verlauf folgen (SSPE – subaktue sklerosierende Panencephalitis).
Ist man einmal an Masern erkrankt, besitzt man lebenslangen Schutz gegen die Viren. Inzwischen wird im Kleinkindalter eine Masern-Mumps-Röteln-Impfung ab dem 9. bis 14. Lebensmonat durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Lebendimpfung, dies bedeutet, das Virus wird in stark abgeschwächter Form geimpft, so dass einige Tage später eine leichte Masernerkrankung auftritt. Der Impfling ist jedoch für seine Umgebung nicht ansteckend.

Eine einmalige Impfung reicht, um einen Impfschutz zu erzeugen. Aber aus unterschiedlichen Gründen reagiert in seltenen Fällen der Körper nicht auf die Impfung, so dass man zur Sicherheit eine zweite Impfung empfiehlt (15. bis 23. Lebensmonat). Da immer wieder Impflücken durch Impfmüdigkeit und Impfverweigerer entstehen, wird allen nach 1970 Geborenen eine Impfung empfohlen, wenn sie nicht wissen, ob sie die Masern hatten oder ob sie geimpft sind.

Impfverweigerer haben bisher immer von der Bereitschaft der Allgemeinbevölkerung zum Impfen profitiert, ohne vermeintlich selbst etwas zu riskieren. Steigt aber die Anzahl der Nicht-Geimpften, wird sich das Risiko der Erkrankungen massiv erhöhen. Da die Masern nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, könnte man durch hohe Impfraten eine Elimination der Masern erreichen. Da dies aber nicht im ausreichenden Umfang erfolgt, kommt es immer wieder zu Ausbrüchen. „Jede Impfung zählt. Wurde eine Impfserie aufgrund einer Erkrankung unterbrochen, kann auch Jahre später noch die Immunisierung abgeschlossen werden“, betont die Leiterin des Gesundheitsamtes.

Bei allen Fragen rund um das Thema Impfen berät auch das Gesundheitsamt in seiner telefonischen Reiseimpfsprechstunde unter 06252/ 155843 jeden Donnerstag von 14 bis 15 Uhr.

Impfempfehlungen im Überblick:

Die Grundimmunisierung z.B. gegen Tetanus, Keuchhusten, Masern, Mumps oder Röteln im Kindesalter

Neu hinzugekommen ist 2014 die Impfung von Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren gegen Humane Papillomaviren (HPV)

Regelmäßig überprüfen und alle 10 Jahre erneuern lassen, sollte man seinen Immunschutz gegen Tetanus und Diphterie

Einmalig wird eine Kombination zusätzlich gegen Keuchhusten und Kinderlähmung als Auffrischung der Immunität empfohlen

Für alle Personen ab einem Alter von 60 Jahren wird eine jährliche Grippeschutzimpfung empfohlen