Sieben Kreisauskunftbüros des DRK Suchdienstes üben in Heppenheim den Ernstfall / 426 Helfer und Betroffen sind zu registrieren

Kreis Bergstraße. Stellen Sie sich vor im Kreis Bergstraße kommt es zu einem Unglück mit mehreren hunderten Betroffenen. Es gibt Verletzte, Familien werden getrennt, Eltern suchen ihre Kinder und Betroffene suchen ihre Freunde oder Nachbarn. Genau dafür gibt es den Suchdienst des DRK, der nicht nur bei bewaffneten Konflikten, Flucht oder Katastrophen zum Einsatz kommt, sondern in Form des Kreisauskunftsbüros (KAB) Bergstraße auch bei regionalen Unglücken und Schadenslagen. Solch einen Schadenslage beübten kürzlich 30 Helferinnen und Helfer des Bergsträßer DRK Kreisauskunftsbüros und sechs weiteren KABs aus Hessen.
Aufgaben eines Kreisauskunftbüros

Was macht ein Suchdienst eigentlich?

Die Antwort ist einfach. Die Kreisauskunftbüros des DRK haben zum einen das Erfassen und Auswerten von Informationen betroffener und verletzter Personen im Katastrophen- oder Großschadensfall zur Aufgabe. Die Annahme telefonischer oder persönlicher Suchanfragen aus der Bevölkerung gehört ebenfalls dazu. Außerdem erfolgt eine Auskunftserteilung an Angehörige über Betroffene und deren Verbleib.

Auch Fiktion sorgt für den notwendigen Realismus

Bei der stattgefundenen Übung wurde ein durch andauernde Regenfälle gebrochener Damm im Bensheimer Stadtteil Gronau angenommen. Dass dies ein höchst unwahrscheinliches Szenario ist - alleine schon, da es in Gronau gar keinen Damm gibt - ist dem Ortskenntlichem wohlbekannt. Christiane Dreiling, Leiterin des KAB Bergstraße, erklärt warum solch ein Szenario angenommen wird. „Man wolle auf keinen Fall, dass es in der Bevölkerung zu Verwirrung kommt und aus einer Übung dann Realität wird. Deswegen erfinde man für die Übung dieses total abwegige Unglück, um ein Durcheinander zu vermeiden“.
Die Übung wurde bereits ein dreiviertel Jahr im Vorfeld von Dreilings Stellvertreter Michael Wetzel aus Biblis vorbereitet. Im Einsatzfall müssen Helferinnen und Helfer des Katastrophenschutzes eine Registrierung durchführen. Sowohl alle Helfer der Hilfsorganisationen und weiteren Einheiten wie THW und Feuerwehr, aber auch von allen verletzten Personen und unverletzten Betroffenen. Für die Übung schrieb Wetzel knapp 300 solcher Such- und Verletztenkarten per Hand. So galt es bei der Übung 47 Verletzte zu erfassen, 252 Begleitkarten von unverletzten Betroffenen zu registrieren und auch die möglichen 127 Helfer schriftlich festzuhalten. Die Übungskarten entsprachen doch sehr der Realität. So spickte Wetzel die Karten mit Fehlern, Zahlendrehern und teilweise einer unleserlichen Schrift – so wie im echten Leben.

Suchen, verbinden, vereinen
Doch wie funktioniert das eigentlich mit der Familienzusammenführung? Die sieben Kreisauskunftsbüros aus den Kreisverbänden Bergstraße, Hochtaunus, Limburg, Offenbach, Rheingau-Taunus, Wiesbaden und Wetterau bauten im großen Lehrsaal des DRK Bergstraße ein Auskunftsbüro und Registrierungsstelle auf. Jessica Wetzel aus Biblis stimmte die 30 Helferinnen und Helfer mit einem selbstzusammengeschnittenen Video zum Thema Hochwasser auf die Übungslage ein. Denn auch im Ernstfall boten die Kreisauskunftbüros des DRK schon wichtige Anlaufstellen für die betroffene Bevölkerung, so zum Beispiel beim Nato-Gipfel 2009, dem Amoklauf in Winnenden 2009, der Love Parade 2010, dem Papstbesuch 2011 oder beim Hochwasser 2013. Bei dieser Übung galt es registrierte Betroffene zu erfassen und Suchanfragen zu beantworten. So wurden über einen Zeitraum von vier Stunden knapp 300 Personendatensätze angelegt, sowohl digital im PC, als auch manuell auf Karteikarten. Gleichzeitig gab es fiktive persönliche und telefonische Anfragen von Menschen, die einen Angehörigen Suchen. „In welches Krankenhaus wurde meine Tochter gebraucht?“, „Wissen Sie etwas über den Verbleib meiner Mutter?“, so und so ähnlich klangen die Anfragen. Hinter solchen Fragen steht meist große Verzweiflung der Suchenden. Für die Teams der KABs galt es nun erfasste Personen und suchende Personen zusammenzuführen.

Kooperation innerhalb des Kreises und über dessen Grenzen hinaus

Das KAB Bergstraße veranstaltet alle zwei Jahre eine Übung in dieser Größenordnung. Es handelte sich um die Sechste Übung im Kreis Bergstraße in diesem Ausmaß. Das Bergsträßer KAB besucht auch die Übungen anderer Kreisverbände, um dauerhaft in Übung zu bleiben. Sie wurde ebenfalls als ein Ausbildungsmodul zur Fachdienstausbildung zum KAB-Helfer genutzt. So konnten 15 Teilnehmer ihre Ausbildung zum KAB-Helfer bei dieser Übung beenden. Die Notfallseelsorge des Kreises Bergstraße war ebenfalls in die Übung integriert. Verpflegt wurden die Helferinnen und Helfer von der Verpflegungsgruppe des DRK Viernheim. Als Gäste konnte KAB Leiterin Christiane Dreiling zahlreiche DRK-Persönlichkeiten begrüßen. So wurde die Übung von Klaus Golisch vom Team Suchdienst / Landesauskunftsbüro des DRK Landesverbandes Hessen e.V. begleitet. Außerdem ließ sich der stv. Landesbereitschaftsleiter Gerhard Finger, Kreisverbandvorsitzender Arno Gutsche, Rotkreuzbeauftragter Karl-Heinz Schultheiß und Kreisgeschäftsführerin Sabine Ohlemüller von der guten und wichtigen Arbeit der Kreisauskunftbüros begeistern. Christiane Dreiling äußerte sich positiv über den Verlauf der Übung und bedankte sich zum Schluss bei allen Helferinnen und Helfern für ihr Engagement.

Unterstützung ist einfach

Das Team des Kreisauskunftbüros Bergstraße sucht immer weitere Helferinnen und Helfer. Es ist ein Ehrenamt im DRK, bei dem keine medizinischen Kenntnisse notwendig sind. PC Kenntnisse sind hilfreich, aber kein Muss. Das Ehrenamt im KAB ist für jedes Alter geeignet und gerade für die Menschen gut, die bei Schadenslagen helfen wollen, ohne dabei in erster Reihe am Unglücksort zu stehen. Besonders freuen wir uns über Helfer, die außer Deutsch noch weitere Sprachen sprechen. Das KAB Bergstraße trifft sich einmal im Monat, an jedem zweiten Mittwoch in der Geschäftsstelle des DRK Kreisverbandes Bergstraße e.V. in Heppenheim. Weitere Infos erhalten Sie auf unserer Internetseite unter www.DRK-Bergstrasse.de oder bei unserer Servicestelle Ehrenamt unter 06252 7004 24.

Bildunterschrift: Die „Datenzentrale“ des Kreisauskunftbüros. Hier werden alle Such-, Begleit- und Verletztenkarten des Schadensereignisses erfasst und abgeglichen. Das System arbeitet dabei autark und kann auch im Katastrophenfall betrieben werden.
Text - Bild Timo Bunscheit | DRK