Mr. Hagai Rom und sein Frau Miki aus Israel besuchten vergangene Woche Lindenfels. Sie leben im Großraum von Tel Aviv und legten zwischen dem Besuch der Spielzeugmesse in Nürnberg, Mr. Rom ist Inhaber eine Spielverlages, und dem Besuch von Berlin einen Zwischenstopp in Lindefels ein.

Natürlich passiert das öfter, dass Touristen Lindenfels besuchen, hatte aber bei der Familie Rom einen speziellen Grund. Die Eltern, der Vater aus Polen und die Mutter aus Weißrussland stammend, von Mr. Hagai Rom lebten nach dem zweiten Weltkrieg von 1945- 1948 in Lindenfels. Sie waren beide Lehrer in Camps, die jüdische Kinder in der sogenannten Lindenfelser „Kinderkolonie“ auf ihre Ausreise nach Palästina vorbereiteten. Beispielsweise durch Sprachunterricht und Unterricht in jüdischer Geschichte und Traditionen. Es befanden sich zeitweise über 400 Kinder in diesen Camps.

Die beiden Lehrenden verliebten sich und so kam Hagai´s Oma aus Bad Reichenhall angereist, um dem „Leben in Sünde“ ein Ende zu bereiten; die beiden wurden in Bad Reichenhall jüdisch getraut und setzten dann ihre Arbeit in Lindenfels fort. Den Kontakt nach Lindenfels zu Petra Thaidigsmann und Otto Schneider, die die beiden Besucher begleitet haben stellte der Tel Aviver Verleger Zvi Morik her, der in Lindenfels geboren und hier einige Jahre gelebt hat und ebenfalls schon des Öfteren zu Besuch war. Mr. Hagai Rom erzählte, dass seine Eltern die Jahre in Lindenfels oft als die glücklichsten ihres Lebens beschrieben. Dies war ein Beweggrund für ihn nach Lindenfels zu kommen - er wollte gerne an Plätzen und Orten in Lindenfels nachempfinden wo seine Eltern so glücklich waren.

Otto Schneider und Petra Thaidigsmann suchten mit ihm und seiner Frau die Plätze auf, die auf Fotos zu erkennen waren. Extra dafür hatten die Besucher ein altes Fotoalbum der Eltern mitgebracht. Zu sehen war das Hotel „Odenwald“, dort wohnten die Eltern. Im Hotels „Hessisches Haus“ war damals die Schule, an der sie unterrichteten untergebracht. Für die Familie Rom waren dies sehr emotionale und tief-berührende Momente. Auch ein Bruder seines Vaters lebte zu dieser Zeit in Lindenfels. Heute ist er 90 und erfreut sich bester Gesundheit. Hagai informierte ihn via Smartphone, wo er gerade sei und schickte ihm (per WhatsApp) Bilder von Lindenfels. Dies löste ebenfalls große Rührung beidem Onkel aus, auch er erinnert sich an glückliche Zeiten in Lindenfels. Bevor das Ehepaar Hagai weiterreiste wurden sie von Bürgermeister Michael Helbig im Rathaus empfangen und sie zeigten sich sehr interessiert nicht nur an der Geschichte Lindenfels, sondern auch an den derzeitigen kommunalpolitischen Aufgaben und Herausforderungen. Mrs. Miki Rom, die in ihrer Freizeit selbst töpfert und Keramiken herstellt freute sich sehr darüber, dass sich unter den Gastgeschenken auch Odenwälder Steingut befand. Vor ihrer Abreise sprachen die Eheleute Hagai eine freundliche Einladung nach
Israel aus.

Bildunterschrift, von links nach rechts: Otto Schneider, Petra Thaidigsmann, Michael Helbig, Miki Rom und Hagai Rom.