Nicht die Parteimitglieder entscheiden, ob Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer oder Jens Spahn gewählt wird, sondern die 1001 Delegierten, welche größtenteils von den Kreisverbänden und zu einem kleineren Teil von den Landesverbänden entsandt werden. Der Bürstädter CDU-Politiker Alexander Bauer ist bei dem Bundesparteitag am 7. und 8. Dezember in Hamburg mit dabei, wenn sich die Christdemokraten sich für die Zeit nach der "Merkel-Ära" richten.

Bauer ist seit ist seit 25 Jahren Mitglied bei den Christdemokraten. Seit zehn Jahren gehört der 46-jährige dem Hessischen Landtag an und ist dort innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Er ist CDU-Chef in Bürstadt, stellvertretender Kreisvorsitzender seiner Partei, war fünf Jahre Mitglied des Kreistags Bergstraße und gehört seit über 20 Jahren der Stadtverordnetenversammlung seiner Heimatstadt an. Als Delegierter hat Bauer schon einige Bundesparteitage miterlebt, aber das von Donnerstag bis Samstag dieser Woche in Hamburg anstehende Delegiertentreffen ist für ihn etwas ganz Besonderes. Zum ersten Mal seit 1971, als Helmut Kohl im Kampf um den Parteivorsitz gegen Rainer Barzel unterlag, haben die Delegierten wieder einmal die Wahl zwischen mehreren aussichtsreichen Kandidaten. "Das tut unserer CDU, der sogenannten Kanzler-Partei, gut."

Schon am Donnerstag fährt Bauer mit dem Zug nach Hamburg zum abendlichen Vortreffen der Delegierten. Aus Hessen sind es insgesamt 88. Von der Bergstraße sind noch Birgit Heitland, Dr. Michael Meister und Peter Stephan stimmberechtigt. Am Abend vor der Abreise kommen die Mitglieder des CDU-Kreisverbandes Bergstraße in Bensheim zu einer Diskussion über die "aktuelle Situation in der Partei" zusammen. Bis dahin soll auch ein per E-Mail abgefragtes Stimmungsbild der Parteibasis zur Merkel-Nachfolge vorliegen.

Beides möchte Bauer noch abwarten und betont: "Ich bin noch nicht festgelegt. Im Rahmen meines Landtagswahlkampfs konnte ich Annegret Kramp-Karrenbauer in Bürstadt und Jens Spahn in Viernheim persönlich kennenlernen. Ich erwarte und traue beiden - wie auch Friedrich Merz - zu, dass sie die CDU als 'Volkspartei der Mitte' weiterentwickeln und ihr Profil schärfen. Die CDU wird wieder erfolgreicher werden, wenn es gelingt, ihre drei Wurzeln: eine liberale, eine konservative und eine christlich-soziale geschickt miteinander zu verbinden und überzeugende Antworten auf die Herausforderungen von Morgen anzubieten."

Eine Beeinflussung durch die Parteispitze hat Bauer bislang nicht registriert. Die Neugierde der Presse sei aber enorm. So hatte sich diese Woche etwa ein Redakteur der Bild-Zeitung nach seinem voraussichtlichen Abstimmungsverhalten erkundigt. Er erhielt den Hinweis auf den Grundsatz der geheimen Wahl. Mit Ausnahme der saarländischen CDU, die sich für Kramp-Karrenbauer aussprach, hat sich bisher kein Landesverband klar auf einen Kandidaten festgelegt. "Er wird ein spannender Parteitag", ist sich Bauer sicher.