Dazu hat Frau Schmiedel einen kleinen Beitrag geschrieben

Marc Ringhof, 28, Mitarbeiter der Behindertenhilfe Bergstrasse (bhb) arbeitet dank des internen Fachdienstes für betriebliche Integration nun bereits im vierten Jahr auf einem sogenannten betriebsintegrierten Beschäftigungsplatz (BiB) im elterlichen Unternehmen. An drei Tagen in der Woche arbeitet er damit außerhalb der Werkstatt bei der Firma Elektro Ringhof in Viernheim. Als Mitarbeiter mit Behinderung arbeitet er hier ganz inklusiv mit. Vor Ort unterstützt er seine Kollegen bei anfallenden Tätigkeiten, wie dem Konfektionieren von Kabeln, Pressen von Hülsen, der Pflege der unterschiedlichen Immobilienobjekte und diverse Verpackungsarbeiten. Durch seine Mitarbeit bereichert er sein Team, denn nicht zuletzt durch ihn werden die sozialen Kompetenzen innerhalb der Kollegschaft gestärkt. Beruflich qualifiziert hat er sich vor allem durch seine jahrelange Tätigkeit in der Gruppe der Garten- und Landschaftspfleger der Werkstatt der bhb. Hier hat er sich 2009 zunächst im Berufsbildungsbereich orientiert und ähnlich einer üblichen Ausbildung an einer beruflichen Qualifizierungsmaßnahme teilgenommen. Nach dem erfolgreichen Abschluss wurde er fester Mitarbeiter in der Gärtnergruppe.

Privat äußerte er gegenüber seinen Eltern immer wieder, dass er gerne bei der Firma Ringhof mitarbeiten möchte, da er „auch dazugehören will“. Dementsprechend reagierten die Eltern sehr positiv auf den Vorschlag seitens des Sozialen Dienstes der bhb-Werkstatt, Herrn Ringhof doch zumindest teilweise im Betrieb zu beschäftigen. Die Teilhabe am Arbeitsleben in der Werkstatt aufgeben wollte Herr Ringhof nicht ganz, da er zum einen seine dort geknüpften sozialen Kontakte nicht vernachlässigen und zum anderen nicht auf seine Fußballgruppe verzichten wollte, die er im Rahmen der arbeitsbegleitenden Maßnahmen besucht. So fand man schnell einen Kompromiss: an zwei Tagen besucht er nach wie vor die Werkstatt und den Rest der Woche arbeitet er im Elektrobetrieb in Viernheim mit.

Eine solch individuelle Lösung ist für Mitarbeiter mit Behinderung ein sehr gelungenes Beispiel für Inklusion, denn hier bedarf es hin und wieder Kompromisse und Übergangslösungen, um ein gemeinsames Ziel erreichen zu können. Die so erlangte Teilhabe am Arbeitsleben ist für Herrn Ringhof ein wichtiger Schritt in einem möglichst selbstbestimmten Leben und schenkt ihm die nötige Wertschätzung. Durch seine zuverlässige und gewissenhafte Art, aber auch durch seine hohe Motivation auch bei größeren Projekten ordentlich mit anzupacken, passt er sehr gut in das Team der Firma Ringhof.
Privat wohnt er zu Hause, jedoch in einer eigenen Wohnung. Sein größtes Hobby, das Reiten, kann er hier wunderbar ausleben, denn seit drei Jahren besitzt er sogar ein eigenes Pferd. So kann er hier nach einem langen Arbeitstag Kraft tanken und die Zeit in der Natur genießen.

Herr Ringhof ist ein Beispiel dafür, dass man trotz Beeinträchtigung den Sprung in die Arbeitswelt schaffen kann. Mittlerweile hat die bhb über 35 Personen auf individuelle BiB-Plätze vermittelt. Eine inklusive Öffnung des Arbeitsmarktes ist für Menschen mit Behinderung unumstößlich, um eine aktive Teilhabe innerhalb der Gesellschaft für alle zu ermöglichen. Daher braucht es noch mehr Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung eine Chance geben.

Hintergrund
Innerhalb der bhb haben alle angebotenen beruflichen und persönlichen Bildungsmaßnahmen das Ziel, den Übergang geeigneter Personen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Der zuständige Fachdienst für berufliche Integration, Claus Maier und Monika Helfert, stellt den Kontakt zum Arbeitsmarkt her, fördert und begleitet kontinuierlich die berufliche Teilhabe von Beschäftigten aus der Werkstatt auf dem Arbeitsmarkt. Zu Beginn absolvieren alle Mitarbeiter ein dreimonatiges Praktikum um festzustellen, ob man miteinander auskommt. Anschließend stellt sich die Frage, ob ein Beschäftigungsverhältnis in Form eines betriebsintegrierten Beschäftigungsplatz zustande kommt. Ist dies erfolgreich, besteht die Chance auf eine sozialversicherungspflichtige Stelle inklusive handelsüblichem Arbeitsvertrag. In den letzten zwei Jahren kamen bereits zwei solcher Arbeitsverhältnisse zustande.

In den Werkstätten der bhb arbeiten über 500 Menschen mit Behinderung unter Anleitung ausgebildeter Fachkräfte. Neben dem Angebot einer angemessenen beruflichen Bildung ist es Ziel, die Leistungs- oder Erwerbsfähigkeit jedes Beschäftigten zu erhalten, zu fördern oder wiederzugewinnen und dabei die Persönlichkeit weiterzuentwickeln. So konnten bereits in vielen Firmen und Einrichtungen im Kreis Bergstraße und Umgebung Beschäftigungsplätze etabliert werden.

Elisabeth Schmiedel