Bei den Planungen für das 60-jährige Jubiläum des Erlenbacher Bergtierparks ahnte noch niemand, unter welchen besonderen Umständen dieses gefeiert werden müsste.

Ein buntes Jubiläumsprogramm war erstellt worden – jedoch wurden vorerst alle Veranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Zeitweise war der Park sogar für knapp sieben Wochen für Besucher komplett gesperrt. Nicht nur für die Verantwortlichen und Förderer rund um den Park, auch für die Tiere eine ungewohnte Situation.

Wie diese wahrgenommen wurde und wie es perspektivisch weitergehen soll, dazu konnten wir Stimmen einholen.

  • Bürgermeister Volker Oehlenschläger, gab es so etwas in der Geschichte des Erlenbacher Bergtierparks schon einmal - eine wochenlange Schließung?

Bürgermeister Oehlenschläger: Nach meinem Kenntnisstand gab es solch eine Schließung noch nie, jedoch haben wir keine Informationen aus der Zeit vor der Gemeindereform 1970/71.

  • Herr Volker Bitsch, sie als Tierparkleiter hatten einiges zu koordinieren. Sowohl, als die Schließung erfolgte, als auch bei der kürzlichen Wiedereröffnung. Wie haben Sie diese Situation empfunden?

Volker Bitsch: Es war schon etwas seltsam, dass von heute auf morgen der Bergtierpark schließen musste und dann auch fortdauernd, nicht eben Mal nur für einen halben Tag oder Tag. Ebenfalls bereiteten uns die vielen Meldungen/Vorschriften, wie wir mit der Lage umzugehen haben, Schwierigkeiten - vor allem bei der eingeschränkten Wiedereröffnung.

  • Drei Tierpfleger kümmern sich über das Jahr um die über 200 Tiere aus fünf Kontinenten. Konnten Sie bei den Tieren während der siebenwöchigen Schließung Veränderungen feststellen?

Tierpfleger: Außer, dass die Tiere das zusätzliche Futter von den Besuchern vermissten, waren keine deutlichen Veränderungen festzustellen.

  • Der Förderverein Freundeskreis Erlenbacher Bergtierpark war bei der Erstellung des Jubiläumsprogramms maßgeblich beteiligt. Sollen die nicht turnusmäßig stattfindenden Events, die im Rahmen des Jubiläums geplant waren, nachgeholt werden? Eventuell im Herbst, sollte sich bis dahin eine Entspannung der allgemeinen Lage ergeben, oder im Jahr 2021?

Eberhard Ulmen: Was an interessanten Veranstaltungen leider ausfallen musste, sollte auf jeden Fall nachgeholt werden, denn wir haben ja im Bergtierpark für Jung und Alt immer viel zu bieten. Natürlich hoffen wir, dass schon im Herbst unter Berücksichtigung der geltenden Infektionsschutzmaßnahmen in kleinen Gruppen Seminare, Workshops und Führungen möglich sein werden. Veranstaltungen mit größeren Teilnehmerzahlen erscheinen aus heutiger Sicht eher erst ab dem kommenden Frühjahr 2021 denkbar.

  • Bürgermeister Volker Oehlenschläger, der Erlenbacher Bergtierpark generiert jedes Jahr wichtige Einnahmen über die Eintrittsgelder. Wie schätzen Sie den Ausfall der vergangenen sieben Wochen ein?

Bürgermeister Oehlenschläger: In dieser Zeit generieren wir, natürlich immer abhängig vom Wetter, Eintrittsgelder von rund 35.000 Euro. Gerade im Frühjahr, das heißt in den Osterferien, ist eine sehr besucherintensive Zeit, da die Menschen die Frühlingssonne genießen und gerne Zeit in der Natur verbringen.

  • Welchen Beitrag leistet der seit 2003 bestehende Freundeskreis als Förderverein?

Eberhard Ulmen: Seit seinem Bestehen konnte der Verein in nennenswertem Umfang Mittel von Spendern, Tierpaten und Sponsoren akquirieren. Dadurch sind dem Bergtierpark im Durschnitt 16.500 Euro ungemindert zugeflossen - 17 Jahre lang Jahr für Jahr. Materiell wurden neben einer Fülle von Einzelmaßnahmen selbst größere Projekte ermöglicht. Der 2013 der Gemeinde übergebene Neubau ‚Haus im Bergtierpark‘, die Aussichtsplattform ‚Schorschs Weitblick’ oder die zuvor erfolgte Erweiterung des Besucherparkplatzes gehören dazu. Von unseren Aktiven und Unterstützern wurden in all den Jahren ungezählte ehrenamtliche Stunden an Arbeit geleistet, konkret waren es allein für den Hausbau beispielsweise über 2000 Stunden. Fachlich haben Mitglieder des Vereins mit der vielfältigen naturkundlichen Information und Fortbildung auch für die breite Öffentlichkeit den Ruf des Bergtierparks als natur- und umweltpädagogisches Zentrum begründet. Für diesen besonderen Einsatz erhielt der Freundeskreis kürzlich den Umweltpreis des Kreises Bergstraße 2019. Er hat mit seiner materiellen und ideellen Gestaltungskraft insgesamt dazu beigetragen, das Besuchserlebnis im Bergtierpark nachhaltiger zu machen. Das kommt der Entwicklung der Besucherzahlen und wirtschaftlich nicht zuletzt der Gemeinde zugute.

  • Was ist an Fördermaßnahmen durch den Freundeskreis vorgesehen?

Eberhard Ulmen: Gegenüber dem Affengehege wird die verdiente Würdigung unserer Tierpaten auf drei neuen Tafeln mit tierförmigem Umriss erfolgen. Priorität hat als momentan größtes Vorhaben mit einem Kostenvolumen von 29.000 Euro die Beschaffung und der Aufbau einer Reihe unterschiedlicher Spielgeräte. Sie sind der Grundstock für einen seit langem benötigten richtigen Spielplatz. Kinder sollen sich im Bereich zwischen Indianerhöhe und Haus im Bergtierpark an naturbelassenen, zertifizierten Balancier- und Klettergeräten gefahrlos bewegen und austoben können, während die Eltern von der nahen Terrasse aus zuschauen. Darüber hinaus haben wir versprochen uns einzubringen, wenn die Genehmigung zum Start der ebenfalls dringlichen Erweiterung des Parkplatzes erteilt ist.

  • Herr Volker Bitsch, die Besucherzahlen wurden aktuell ja auf 600 Personen pro Tag gedeckelt. Können Sie uns sagen, wieviele Besucher der Park an einem idealen Wochenende normal verzeichnet?
  • Wie waren die Besucherzahlen seit der Wiedereröffnung? Musste der Park auch mal frühzeitig geschlossen werden?

Volker Bitsch: Ideal wären an einem schönen Sonntag ca. 800 Personen über den Tag verteilt. Dann ist es mit den Parkplätzen sowie auch mit der Bedienung an der Kasse in Ordnung. Allerdings überschreiten wir an schönen Sonn- oder Feiertagen auch gerne mal die 1000er-Marke.

Am Sonntag vor dem Lockdown waren es beinahe 1100 Besucher.

Nach der Wiedereröffnung am 06. Mai 2020 hatten wir am 17. Mai 2020, einem sonnigen Sonntag, um 14.10 Uhr bereits die 600 Besucher-Marke erreicht und mussten den Park dann leider schließen. Vermutlich wäre auch hier die 1000er-Marke unter normalen Umständen geknackt worden.

Bild: Gemeinde Fürth / Unger. Alpaka aus dem Bergtierpark Erlenbach.