„Ein Organ, um das man sich früh kümmern sollte“

Vortrag über Beckenbodenschwäche in der GRN-Klinik Weinheim stellte konservative und operative Therapiemöglichkeiten von Inkontinenz und Genitalsenkungen vor

Inkontinenz ist eines der Hauptsymptome der Beckenbodenschwäche. In Deutschland gibt es rund zehn Millionen Betroffene. 25 Prozent der Frauen sind hierzulande inkontinent, womit die Harninkontinenz die am weitesten verbreitete chronische Krankheit unter Frauen ist. Ein bedeutendes Thema also, und so war auch der Raum „Florenz“ im Weinheimer Ärztehaus Mitte Februar mit etwa 100 Zuhörerinnen voll besetzt, um dem Vortrag von Dr. med. Stefanie Weiner zu folgen, der im Rahmen der Reihe „Was Frauen bewegt“ stattfand. Dr. med. Lelia Bauer, Chefärztin der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der GRN-Klinik Weinheim, betonte in ihren einleitenden Worten, dass die große Resonanz auf die Veranstaltung auch ein Zeichen sei, dass das Thema nicht länger ein Tabu ist.

 

Symptome von Beckenbodenschwäche: Inkontinenz und Absenkung des Beckenbodens

Wie macht sich eine Beckenbodenschwäche bemerkbar? Die häufigsten Symptome sind Inkontinenz und eine Absenkung des Beckenbodens, infolge dessen es zu einer Senkung von Gebärmutter, Blase und Darm kommen kann. Bei der Inkontinenz unterscheidet man Drang- und Belastungsinkontinenz sowie Mischformen. Die Dranginkontinenz ist durch ständigen Harndrang gekennzeichnet, während sich die Belastungsinkontinenz bei körperlicher Belastung wie Husten oder Niesen zeigt. „Es empfiehlt sich daher im Alltag den Beckenboden so gut es geht zu schonen. Hierfür gibt es viele gute Strategien. Beispielsweise sollte man beim Heben den Rücken gerade lassen und in die Knie gehen, um dann das Gewicht so nahe wie möglich am Körper hochzuheben “, so die erfahrene Gynäkologin, „denn dann ist der Druck auf den Beckenboden geringer.“ In diesem Zusammenhang erklärte die Fachärztin auch, dass der Beckenboden aus Muskeln, Bändern und Bindegewebe besteht, welche die knöcherne Beckenhöhle nach unten verschließen. Drei Muskelschichten tragen die Hauptlast der darüber liegenden Organe.

 

Risikofaktoren und wie vorgebeugt werden kann

„Man sollte sich früh um dieses Organ kümmern“, so Dr. Weiner, die sich seit 2006 mit dem Thema Beckenboden beschäftigt. Risikofaktoren sind Schwangerschaften und Geburten, bei denen es zu einer extremen Dehnung des Beckenbodens kommt, sowie zunehmendes Alter mit einhergehender Bindegewebsschwäche und Hormonmangel. Regelmäßiges Training der Beckenbodenmuskulatur, Vermeidung von unnatürlicher Belastung sowie von Verstopfung und Übergewicht gehören zu vorbeugenden Maßnahmen, ebenso sanftere Sportarten wie Pilates und auch Yoga. Joggen, Trampolinspringen oder Tennis hingegen wirken sich ungünstig aus.

 

Behandlungsmethoden – konservativ und operativ

Was die Therapiemöglichkeiten betrifft, so ist sich die Beckenbodenspezialistin sicher: „Es gibt nicht nur eine Lösung!“ Bei einer Belastungsinkontinenz ohne gravierende Beckenbodensenkung kann man mit konservativen Methoden wie Beckenbodentraining, Hormonbehandlung der Scheide und Elektrostimulationstherapie sehr viel erreichen. Der nächste Schritt wäre eine medikamentöse Behandlung oder auch die Verwendung spezieller Hilfsmittel wie Pessare und Vaginaltampons, die den Blasenhals in seine Ursprungsposition zurückdrücken.

Erst als letztes Mittel greift man auf operative Methoden zurück. Bei einer Belastungsinkontinenz wird in den meisten Fällen die spannungsfreie Bandeinlage TVT (tension-free vaginal tape) eingesetzt. Ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem über einen kleinen Schnitt in der Scheide die Harnröhre durch ein Bändchen am Schambein „aufgehängt“ wird und somit der natürliche Verschlussmechanismus der Harnröhre unterstützt wird. Die Operationsdauer beträgt in der Regel 15 bis 20 Minuten und kann unter Lokal- und Spinalanästhesie oder in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt werden. Bei einem Prolaps von Blase, Scheide oder Enddarm erfolgt die sogenannte rekonstruktive Beckenbodenchirurgie, bei der die betroffenen Organe in eine annähernde Normallage zurückgebracht werden. „Hier stehen uns unterschiedliche Operationsverfahren zur Verfügung, über die wir immer individuell entscheiden“, so Dr. Weiner. „Ganz ausschlaggebend für den Erfolg ist eine gute Diagnostik und gewissenhafte Vorbereitung der Operation. Es sollte nichts überstürzt werden. Unsere Patientinnen waren bislang alle sehr froh, den Eingriff durchgeführt zu haben und sind dankbar für das Mehr an Lebensqualität, dass sie dadurch erlangt haben.“

Bildunterschrift: Dr. med. Stefanie Weiner (Foto: GRN)