Was ist los im Darm? Eine Frage, die viele bewegt

KREIS BERGSTRASSE | Wenn am Kreiskrankenhaus Bergstraße in diesen Tagen der Monat Februar bilanziert wird, fällt der Blick nochmal auf eine Veranstaltung, die gezeigt hat, wie groß das Interesse am Themen Darmgesundheit ist – und wie gefragt Informationen hierzu sind. Gesprächsbedarf ist da. Offenkundig. „Gesunde Bergstraße – Medizin auf den Punkt“ hatte das Krankenhaus eine Veranstaltungsreihe betitelt, bei der über zwei Jahre hinweg weitverbreitete Leiden, Ursachen, Symptome, Diagnosen, Behandlungen, Thema waren. Ärzte und Patienten kamen zu Wort, das Format bot Platz für Vorträge und Interviews. Jetzt ist die Reihe mit dem Abend zur Darmgesundheit zu Ende gegangen.

Die Resonanz auf die abschließende Veranstaltung, bei der auch das Kreisgesundheitsamt vertreten war, kann durchaus als Beleg verstanden werden, dass Darmleiden weit verbreitet sind und quer durch die Generationen gehen. Die Stuhlreihen im Multimax der Bensheimer Karl-Kübel-Schule waren jedenfalls gut besetzt. Der Meinungsaustausch zwischen Zuhörern und Facharzt im Anschluss an den Vortrag war rege, ganz so, wie es die Ideengeber des Veranstaltungskonzepts wollten. Mit PD Dr. Uwe Seitz nahm sich ein international gefragter Experte des Themas an. Locker plaudernd, ohne den notwendigen Tiefgang aufzugeben, zeigte der Mediziner die zentrale Bedeutung des Darms für das Wohlbefinden des Menschen auf. Der Chefarzt der Inneren Medizin I am Kreiskrankenhaus in Heppenheim sprach über Symptome und Folgen typischer Darmleiden. Wobei die Forschung zwar weit ist, längst aber noch nicht auf alle Diagnosen abschließende Antworten kennt, wohl auch, weil der menschliche Darm noch nicht so kartiert ist wie manch anderes Organ.

Grundsätzlich warb Dr. Seitz für eine ausgewogene Ernährung, ohne dabei mit erhobenem Zeigefinger Verbote auszusprechen. Die Balance des Darms ist wichtig, das spürt wohl ein jeder, Erkrankungen sind oft komplex in ihrem Entstehen und Wirken, entsprechend schwierig ist es, an mancher Stelle allgemeingültige Rezepte zur Besserung zu benennen. Beispiel Reizdarm. „Sie haben nichts“, sei vielfach eine erste Diagnose. Was so aber nicht stimmt. „Reizdarm ist ein kompliziertes Geschehen“, fasst Dr. Seitz zusammen. Betroffene spüren dies, anhaltende Bauchschmerzen, Durchfall oder auch Verstopfungen gehören zur Reihe der unterschiedlichen Symptome. Stressmanagement, Lebensstilveränderung, Yoga, vieles kann in der Behandlung wirksam sein. Auch Medikamente können helfen. Es gilt, für einen jeden den individuell richtigen Weg zu finden. Und beim Thema Essen muss jeder selbst ausprobieren, was ihm guttut. Geschroteter Flohsamen, Chiasamen und Leinsamen sind auf jeden Fall zuträglich. Grundsätzlich gilt: „Was funktioniert für mich und was nicht. Wenn es nicht funktioniert: lassen“, so die Ansage des Arztes

Deutlich klarer ist das Vorgehen an anderer Stelle, da sind die Wege vorgezeichnet. Vor allem, wenn es um Darmkrebs geht. Hier ist das Erkennen bereits in den Vorstufen möglich, was gute Heilungschancen zulässt. Entsprechend deutlich fällt der Appell von Dr. Seitz aus, Ängste hinter sich zu lassen und eine Darmspiegelung im Zuge der Vorsorge nicht zu scheuen. Darmkrebs entstehe nicht plötzlich, sondern entwickle sich über Jahre. Entsprechend gelte für die Darmspiegelung „das ist keine Früherkennung, das ist eine richtige Vermeidung“, so der Facharzt. 

Letztlich ist es, das machte der Abend deutlich, ein großer Bogen, der beim Thema Darmgesundheit zu spannen ist. Und dabei bleibt auch der Kopf nicht außen vor. Die Verbindung zwischen Bauch und Kopf, genauer: Gehirn, ist direkt. Schmetterlinge im Bauch, Krumpeln im Bauch – Bilder die dafür stehen, dass die Därme des Menschen Seismograph der Befindlichkeit sein können, ein Ort, an dem sich Wohlbefinden und Unwohlsein, körperliche Erkrankungen, wie seelische Zustände, diagnostizieren lassen. Abermillionen von Nervenzellen finden sich im Darm. Und, auch das macht es der Wissenschaft so schwer, der Darm ist ein großangelegtes Mikrobiom, also ein Organ mit einer Vielzahl von Mikroorganismen, die direkt auf den menschlichen Körper einwirken. „Wir wissen, dass die Zusammensetzung der Darmbakterien so individuell wie ein Fingerabdruck ist“, resümiert Dr. Seitz.

Bleibt die Frage, was der Arzt zu seiner persönlichen Darmgesundheit tut. Die Antwort hat er in einem Interview geben: „Bewegen und gut essen. Zurückhaltung bei hochverarbeiteten Lebensmitteln.“

Partner der Veranstaltung

„Gesunde Bergstraße – Medizin auf den Punkt“ veranstaltete das Kreiskrankenhaus Bergstraße gemeinsam mit dem „Starkenburger Echo“, der in Heppenheim ansässigen Zeitung der Verlagsgruppe Rhein-Main (VRM).

FOTO. PD Dr. UWE Seitz. Bei der abschließenden Veranstaltung der Reihe „Gesunde Bergstraße – Medizin auf den Punkt“ sprach der Chefarzt der Inneren Medizin I am Kreiskrankenhaus über Darmgesundheit. Foto: Kreiskrankenhaus Bergstraße / Thomas J. Zelinger