„Das ist das Verdienst der Leute!“

Dreimal schon war Lorsch LeseStadt, das letzte Mail 2016. Nachdem die Veranstaltung im Freiluft-Lesewohnzimmer mit über 3000 Büchern 2013 die Bürgerinnen und Bürger auf Anhieb begeistert hatte, beschloss der Magistrat dass sich die Klosterstadt alle zwei Jahre um die Ausrichtung bewerben sollte. Nicht ganz einfach: Denn in der Regel bemühen sich über 250 Städte darum, einer der knapp 30 Orte zu werden, die den Zuschlag erhalten. „Zweimal sind wir leer ausgegangen“, so die Auskunft aus dem KULTour-Amt. Aber 2020 klappt es wieder: „Wir haben die Zusage aus Salzburg!“ ist die Freude groß.

Doch besonders freuen sich die Initiatoren in Salzburg und in Lorsch über die Beteiligung der Lorscherinnen und Lorscher. Denn das Voting der Bürgerinnen und Bürger ist der wichtigste Indikator für die Vergabe. „Und die war in diesem Jahr einfach Spitze! Wir hatten schon im Spätsommer einen Spontan-Anruf aus Österreich, dass das Voting für Lorsch so ziemlich durch die Decke gegangen ist“, berichtet Gabi Dewald. Doch die Amtsleiterin wollte das ein bisschen genauer wissen. „Es stellte sich heraus, dass sich die LeseStadt-Fans für Lorsch derart ins Zeug gelegt haben, dass Lorsch unter den fünf Städten mit den meisten Votings ist! Und das bei insgesamt 258 Bewerbungen!“

Schon gibt es Gespräche darüber, wer als „Promi-AutorIn“ am ersten der insgesamt vier Tage an die Bergstraße kommen könnte. „Wir haben den Namen von Juli Zeh in den Ring geworfen. Und auch den vom Kult-Krimi-Autoren Wolf Haas.“ Immerhin zwei Hochkaräter: Die hochdotierte Juli Zeh wurde mit vielen anderen Auszeichnungen bedacht, u.a. mit dem Thomas Mann-Preis, mit dem Heinrich Böll-Preis und 2018 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Wolf Haas heimste in den letzten zwanzig Jahren mehrfach den Deutschen Krimipreis ein, den Deutschen Hörbuchpreis, den Literaturpreis der Stadt Wien, den Österreichischen Kunstpreis für Literatur etc.

Auch die Schulen werden wieder eingeladen, ihren Unterricht im Lesewohnzimmer unter freiem Himmel abzuhalten. Gabi Dewald: „Das niedrigschwellige, eintrittsfreie Angebot zum Schmökern in der Stadtmitte, das im Übrigen wiederholt unter der Schirmherrschaft der UNESCO-Kommission steht, ist gerade bei Kindern und Jugendlichen hochbeliebt.“ Aber auch aus der sonstigen Bevölkerung gab es immer wieder Nachfragen „wann denn endlich mal wieder StadtLesen in Lorsch sei“. Die Antwort: vom 11. – 14 Juni 2020. „Und das, liebe Leute, ist ganz allein euer Verdienst“, gratuliert das KULTour-Amt den vielen, die sich beim Internet-Voting um die LeseStadt 2020 so erfolgreich beteiligt haben. „Danke dafür!“

Info-Kasten

Lorsch soll vom 11. – 14. Juni 2020 wieder LeseStadt werden. Über 3000 Bücher in zwei großen Lesetürmen, hundert Sitzmöbel, Teppiche, Lampen, Hängematten, Sonnenschirme und eine Bühne werden dazu auf dem Benediktinerplatz von Donnerstag bis Sonntag aufgebaut. Die LeseStadt steht dann jedermann, egal welchen Alters, kostenfrei von morgens bis zum Einbruch der Dunkelheit offen. Die Gäste können nicht nur lesen, sondern auch von der Bühne aus vorlesen. Die LeseStadt wird von der Innovationswerkstatt, einer Agentur mit Sitz in Salzburg, ausgerichtet.

Foto: Stadt Lorsch