Ein Ort der Würde und der Emotion

Weinheim. Friedhöfe sind Orte der Emotionen – die sich dennoch in einer Art Wettbewerb befinden. Das bekräftigten am Donnerstag Weinheims Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner und Thomas Heiland vom Verband der Badischen Friedhofsgärtner bei der Einweihung eines so genannten „gärtner-gepflegten“ Grabfeldes auf dem Friedhof im Weinheimer Odenwald-Ortsteil Heiligkreuz. Auf verschiedenen Feldern neben der Friedhofskapelle kann die Stadt dort jetzt verschiedene Bestattungsarten anbieten, zum Beispiel Urnengräber ohne Grabstein. Die Namen der Verstorbenen sind dann dezent mit einem Messingschild auf einer Baumscheibe oder eine Natur-Sandsteinmauer verewigt.

Von anderen Friedhöfen im Stadtgebiet, erklärte Michael Müller von der Weinheimer Friedhofsverwaltung, weiß man, dass die Nachfrage nach diesen Bestattungsarten groß ist – und weiter wächst. Ein großer Vorteil für die Hinterbliebenen ist es, dass die Anlage zentral von einer Friedhofsgärtnerei gepflegt wird. „Das kommt der heutigen Gesellschaft, die von Mobilität geprägt ist, entgegen“, erklärte Thomas Heiland.

Der Verbandsvorsitzende machte keinen Hehl daraus, dass die kommunalen Friedhöfe einem Wettbewerb mit privaten Anbietern und vielen Arten der anonymen Bestattungsformen standhalten müssen. Aber es sollte nicht sein, dass Menschen „für immer spurlos aus unserem Leben verschwunden“, findet er. Da seien Grabfelder für mehrere Verstorbene – dennoch im sozialen Umfeld eines kommunalen Friedhofes – eine würdevolle Alternative, zumal wenn sie so „liebevoll und stimmungsvoll“ angelegt sind wie in Heiligkreuz. Nach neuesten Umfragen wünschen sich nur noch ein Viertel der Menschen auf dem Friedhof ein klassisches Grab, andere Bestattungsformen sind auf dem Vormarsch.

Auch Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner ging auf die Bedeutung eines Friedhofes als Ort der Emotionen, des Erinnerns und der sozialen Kontakte ein. Er gab ein deutliches Bekenntnis für die Erhaltung der Ortsteil-Friedhöfe ab, die für das jeweilige Umfeld sehr wichtig seien. Friedhöfe müssten als Ort „gesellschaftlicher Relevanz“ erhalten werden.

Das freute natürlich auch Ortsvorsteherin Anja Blänsdorf, die zuvor die Gäste zur Einweihung des Gräberfeldes begrüßt hatte. Zur Einweihung sprach „im ökumenischen Sinne“ auch Pfarrerin Vera Schleich. Der Evangelische Kirchenchor umrahmte die Einweihung musikalisch. Eines der Lieder trug passend zum Ort den Titel: „Heaven is a wonderful place“.