Bickenbach – Welche Geschichten haben sich die Bickenbacher früher im Tante-Emma-Laden, in der Kneipe oder auf der Gass‘ erzählt? Was davon war ernst gemeint, was nur Spaß oder enthielt ein kleines Fünkchen Wahrheit? Wo waren die Treffpunkte der alten Bickenbacher, wo trafen sich die jungen Leute? Und vor allem: Was ist aus den alten Treffpunkten geworden? Gibt es noch alte Fotos – irgendwo in Fotoalben der Oma oder einem auf dem Speicher vergessenen Schuhkarton?

Diesen Fragen soll bei einem offenen Treffen in der „Kastanie“ in Bickenbach nachgegangen werden. Auf die Idee eines Jour fix, bei dem alten Anekdoten und Geschichten aus der Vergangenheit der Gemeinde nachgegangen werden soll, kam Walter Scheele. Seit der Buchautor in der Gemeinde lebt, hat er viele Geschichtchen aus der Vergangenheit gehört.

„Als Rentner habe ich jetzt mehr Zeit, mich meinen Hobbys zu widmen“, sagt der ehemalige Frankfurter Redakteur. Bekannt wurde er nicht zuletzt als Burg-schreiber auf der Burg Frankenstein und Krimiautor, der in vier Krimis das Nachtleben der Mainmetropole durchleuchtete.

Während seiner Tätigkeit auf der Burg erzählten ihm bei und nach seinen sonntäglichen Burgführungen ältere Besucher von längst vergessenen Märchen rund um den Frankenstein. So traf man sich bei Kaffee, hin und wieder auch einem Schnäpschen, zum lockeren Plausch. Walter Scheele notierte die Erinnerungen, brachte sie in ein einheitliches Sprachbild.

Nach zwei erfolgreichen Krimis und einem ebensolchen Buch über die Geschichte der Burg Frankenstein, veröffentlichte sein Verlag auch die so notierten 27 Märchen. Sie waren nicht nur bei Kindern beliebt. Sie wurden zum Verkaufserfolg. Mit Hilfe des Hessischen Rundfunks vertont er sie als kostenlose Blindenzeitung.

„Wenn aus diesen Bickenbacher Histörchen so etwas wie eine Heimatkunde würde, wäre das schön“, sagt Walter Scheele hierzu. Bürgermeister Markus Hennemann reagierte spontan: „„Ich bin erfreut, dass Walter Scheele diese Art von Geschichtswerkstatt initiiert. Erfahrungen und Geschichten gehen leider all zu oft verloren und damit immer ein Stück Ortsidentität“, unterstreicht Bürgermeister Hennemann das kulturhistorische Engagement.

Deshalb lädt Walter Scheele ab 4. September jeden zweiten Mittwoch im Monat alle Interessierten zu einem zwanglosen Treffen in die „Kastanie“ ein. Ab 20 Uhr können dann alte Geschichten – oder neuere – ebenso wie Fotos besprochen oder ausgetauscht werden. „Was wir genau machen werden und wie, sollten wir nach den ersten Treffen gemeinsam festlegen“, schlägt er vor.