Bei ihr sagt keiner Nein

Weinheim. Das Albtraumerlebnis jedes Standesbeamten musste Andrea Klawonn bislang nicht erleben. Was passiert, wenn in einer Trauung einer der Partner das Ja-Wort verweigert? Das kommt - erfreulicherweise – sehr selten vor. In Weinheim noch nie. Aber für den Fall hätte die neue Leiterin des Weinheimer Standesamtes einen „Plan B“. „Ich würde die Trauung unterbrechen, die Gäste höflich aus dem Saal bitten und mit der Person ein Gespräch unter vier Augen suchen“, beschreibt sie – nach 16 Jahren Erfahrung im Standesamt für alles gewappnet.

Der Hauptausschuss des Gemeinderates hat die 40-jährige Andrea Klawonn neulich zur neuen Leiterin des Standesamtes und damit zur Nachfolgerin von Ulrike Palm gewählt, die in den Ruhestand gegangen ist: nach 3000 Trauungen in 16 Jahren. Auch bei ihr gab es übrigens keine Nein-Sager. 16 Jahre lang war Andrea Klawonn nun Ulrike Palms Stellvertreterin. Sie stammt aus der Region; ist in Birkenau aufgewachsen und wohnt mittlerweile in Hemsbach. 

Wer in Weinheim, der Hochburg der Hochzeiten, das Standesamt führt, hat alle Hände voll zu tun. Bekanntlich ist Weinheim in der Region und in Baden-Württemberg die Stadt, in der – im Verhältnis zur Einwohnerzahl – am meisten geheiratet wird. Das liegt sicher am stimmungsvollen Trausaal im Schloss, an den Möglichkeiten zu feiern und dem Angebot, auch auf den Burgen zu heiraten; aber auch an der Flexibilität und der charmanten Ausstrahlung der Standesbeamten, die in Weinheim überwiegend Beamtinnen sind. 450 Paare geben sich im Durchschnitt pro Jahr in Weinheim das Ja-Wort.

Auch Andrea Klawonn lebt ihren Beruf mit Passion. Nach einem Vorgespräch bereitet sie sich individuell auf jedes Paar vor, sie will ihrem hohen – persönlichen Anspruch – gerecht werden. Es gab schon Momente, das musste die Standesbeamtin selbst ein Tränchen der Rührung von sich geben. Dazu steht sie. „Das wird nie zur Routine“, lächelt sie. Zwar sei eine Trauung stets auch ein Verwaltungsakt, der mit entsprechender Ernsthaftigkeit vorgenommen werden müsse, „aber immer individuell nach den Menschen ausgerichtet“. Und niemals banal. Aufgeregt ist sie nicht mehr, aber „eine positive Anspannung“ begleitet sie zur jeder Hochzeit. Sie selbst hat übrigens auch in Weinheim geheiratet, ihre Kollegin Nicole Ferger habe das damals – 2008 – ganz wunderbar gemacht.

In den Standesämtern wie in Weinheim stehen die Trauungen natürlich am meisten im öffentlichen Interesse; in Weinheim besonders, wo Brautpaare im Schlosspark oder im Hermannshof insbesondere am Freitag und Samstag zum Stadtbild gehören. Aber die Amtsaufgaben sind vielfältiger. Das Standesamt begleitet die Bürgerinnen und Bürger der Stadt buchstäblich „von der Wiege bis zur Bahre“, in freudigen und in traurigen Lebensmomenten. Entsprechend nah‘ sind Andrea Klawonn und ihre Mitarbeiterinnen den Menschen dieser Stadt. Ob Geburt, Eheschließung, Kirchenaustritte oder auch Todesfälle, das Standesamt ist immer auch eine Stütze im Leben.