BENSHEIM/KREIS BERGSTRASSE. Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht besuchte die Intensivklassen der Heinrich Metzendorf Schule und verbreitete Optimismus

Bensheim. „Wie kann man bei Politik mitmachen?“, fragte der 20-jährige Kassem aus Somalia und sein 17-järiger Mitschüler Hussein aus Syrien schloss sich seiner Frage mit einem begeisterten „Ja, ich will auch Politiker werden!“, an. So viel Interesse an aktiver Politik sei ihr in deutschen Schulklassen nur selten begegnet, zeigte sich die Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht freudig überrascht, als sie bei einem Besuch in der Heinrich Metzendorf Schule mit Schülern ins Gespräch kam. Sie traf dort am vergangenen Montag auf vier Intensivklassen mit jungen Migranten, denen sie von ihrer Arbeit als Bundestagsabgeordnete erzählte. Die Schüler der Sprachintensivklassen hatten im letzten Monat auf ihre Einladung hin den Bundestag in Berlin besucht. Da zu dieser Zeit keine Sitzungswoche war, holte die Sozialdemokratin den Kontakt direkt in ihrem Wahlkreis nach. In Bensheim wurde sie von der Koordinatorin der Sprachintensivklassen Michaela Wiegand und der pädagogischen Leiterin der Berufsschule Martina Jost begrüßt. Wie die Koordinatorin zu Beginn der Veranstaltung im Rückblick schilderte, hatten die Schülerinnen und Schüler in Berlin nicht nur die Schauplätze aktueller Politik kennengelernt, sondern auch erfahren, dass diese stabile Demokratie nach einem diktatorischen und menschenverachtenden Regime entstehen konnte und dass die Schüler daraus Hoffnung für die politische Zukunft ihrer eigenen Ländern schöpfen sollten.

Christine Lambrecht nahm diese Informationen in den Beschreibungen ihrer Arbeit auf und lobte das föderale System, als Gegenmodell zum zentralistischen Machapparat der NS-Zeit. Als zweiten Grundpfeiler nannte sie die wichtige Rolle der Opposition. Diese werden nicht ausgeschaltet, wie es im Dritten Reich der Fall war, sondern gestärkt und mit Rechten ausgestattet. „Alle Parteien können grundsätzlich miteinander arbeiten“, lautete ihr Credo, da man nicht auf Konfrontation, sondern auf ein Miteinander hin arbeite.

Mit diesen Statements brachte sie die Augen der jungen Flüchtlinge zum Leuchten, denn das ist es gerade, was sie in ihren Ländern vermissten und was ihnen dort die Hoffnung auf eine gute Zukunft nahm.

Von Christine Lambrecht gab es an diesem Vormittag eine große Portion Zuversicht. Sie bewertete die Zukunftschancen der Metzendorf Schüler gut. „Lernen sie Deutsch und machen sie eine Ausbildung, dann haben sie hier beste Chancen“, rief sie den interessiert zuhörenden Migranten zu. Nach ihrer Einschätzung gab es noch nie eine bessere Zeit, um nach Deutschland zu kommen. Die Deutschen, so Lambrecht, werden immer älter und immer weniger. Wir brauchen den Zuzug aus dem Ausland.

Neben so viele Optimismus gab es auch nachdenklichere Töne. Mit Blick auf das behütete Aufwachsen ihres eigenen Sohnes, war die Politikerin tief betroffen von den Schicksalsschilderungen der Metzendorf Schüler. Dass ein 17-jähriger auf der Flucht aus Eritrea tagelang ohne Wasser durch die Wüste laufen musste, von betrunkenen Schleppern geschlagen wurde und letztlich auf einem total überfüllten Boot die Fahrt übers Mittelmeer überlebte, waren für sie keine neuen Informationen. In der Metzendorf Schule aber stand ihr direkt ein junger Mensch gegenüber, der all das selbst erlebt hatte.

Die Politik, so räumte sie kritisch ein, hat die Flüchtlingssituation falsch eingeschätzt. Auf diese große Zahl waren wir nicht vorbereitet. Jetzt muss nachgebessert und vor allem Geld für Bildung bereitgestellt werden. Dass in den hessischen Schulen künftig nur noch Schüler bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres aufgenommen werden sollen, hält sie für den falschen Weg und will sich politisch darum kümmern.

Als der 19-jährige Abraham aus Eritrea aber fragte, was man außer humanitärer Hilfe seinem Land an Hilfe zur Veränderung geben könne, da musste die Sozialdemokratin passen. Und es blieb am Ende viel Optimismus bei denen, die es in Bensheim auf das Sprungbrett Bildung geschafft hatten, doch

Bildunterschrift: Unser Foto zeigt die Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht inmitten der jugendlichen Flüchtlinge